• Wieder zwei Mädchen missbraucht – auch dieser Täter ist flüchtig Nach den Fällen in Marzahn sucht die Polizei jetzt einen weiteren Sexualverbrecher in Neukölln

Berlin : Wieder zwei Mädchen missbraucht – auch dieser Täter ist flüchtig Nach den Fällen in Marzahn sucht die Polizei jetzt einen weiteren Sexualverbrecher in Neukölln

Jörn Hasselmann

Während in Marzahn und Hellersdorf nach dem Sexualverbrecher gefahndet wird, der drei Mädchen im Alter von 8, 12 und 13 Jahren vergewaltigte, gibt es nach Tagesspiegel-Informationen noch zwei weitere gravierende Fälle in Berlin: Am vergangenen Sonntag bedrohte ein Unbekannter in Neukölln zwei zehnjährige Mädchen mit einer Pistole und missbrauchte sie. Auch von diesem Täter fehlte gestern jede Spur. Es gibt kein Phantombild. Die Polizei sieht keinen Zusammenhang mit den Marzahner Fällen.

Der Unbekannte zwang die Grundschülerinnen mit der Drohung „Ich erschieße euch“ in eine Grünanlage in der Nähe des Fennpfuhls im Ortsteil Britz. Dort missbrauchte der Unbekannte die beiden Mädchen. Die Fritz-Karsen-Schule, in der die beiden Zehnjährigen zur Schule gehen, hat alle Eltern jetzt mit einem Rundschreiben informiert und gewarnt.

Die Polizei hat die Britzer Tat nicht bekannt gegeben – wie fast alle Fälle von Kindesmissbrauch – „um die Opfer zu schützen“, sagt der für Sexualdelikte im Landeskriminalamt zuständige Kriminaloberrat Oliver Knecht.

Auch nach den ersten beiden Fällen in Marzahn wurden die Öffentlichkeit und die Medien nicht informiert; erst als der Unbekannte am Mittwochabend das dritte Mädchen mit Gewalt in einen Keller zerrte und dort vergewaltigte, wurde eine öffentliche Fahndung eingeleitet. Der Polizei erschwert das die Ermittlungen: Denn der Täter weiß jetzt, dass intensiv nach ihm gefahndet wird. „Aber wir wollen nicht riskieren, dass er noch ein Opfer findet“, heißt es bei der Kripo.

Drei Mädchen wurden in Marzahn mit dem Messer bedroht, zwei in Neukölln mit einer Pistole – dennoch sei „Gewalt bei schwerem sexuellen Missbrauch die Ausnahme“, sagte Knecht. Meistens „erschleichen sich die Täter das Vertrauen ihres Opfers“, berichtet der Kriminalbeamte. „Kinder freuen sich über Anerkennung von Erwachsenen oder das Angebot, mit dem Computer zu spielen.“ So sähen sich Pädophile besonders gern in Schnellrestaurants und den Computerabteilungen von Kaufhäusern nach Kindern um. Dort könnten die Täter in aller Ruhe ein Opfer aussuchen: Welches Kind ist allein da, wer ist ängstlich und zurückgezogen? „Der Pädophile spürt das intuitiv“, berichtet Knecht.

Jeden Tag werden überall in Berlin Kinder Opfer von Straftaten. Im vergangenen Jahr gab es 45 Fälle von „schwerem sexuellen Missbrauch“ (Vergewaltigung). Diese Zahl sei „in den letzten Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau“ geblieben, sagt Knecht. Die Polizeistatistik erfasste im Jahr 2001 zudem 833 Fälle von sexuellem Missbrauch, zum Beispiel Exhibitionismus oder Berührungen. In diesen Zahlen ist sexueller Missbrauch in der Familie nicht enthalten.

In allen fünf jetzt bekannt gewordenen Fällen hatten sich die Mädchen sofort ihren Eltern offenbart. Bei weniger schweren Fällen gebe es jedoch eine große Dunkelziffer – weil die Kinder aus Angst vor einer Strafe nichts erzählen. Denn Täter sind raffiniert: Zum Beispiel schenken sie dem Kind eine Kleinigkeit – und schon haben sie gegen das Verbot ihrer Mutter verstoßen, nichts von Fremden anzunehmen. Und schweigen aus schlechtem Gewissen.

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