Berlin : Wiederaufbau des Schlosses: Thierse drückt aufs Tempo

Bundestagspräsident mahnt Bauminister Stolpe. Förderverein will mehr Unterstützung von Bund und Land. Deutsche Bank wirbt um Spender

Lars von Törne

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und der Förderverein Berliner Schloss haben an Senat und Bundesregierung appelliert, sich stärker für den teilweisen Wiederaufbau des Stadtschlosses einzusetzen.

Ungewohnt deutlich forderte Thierse seinen Parteifreund Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe zum raschen Handeln auf. „Der Minister ist gefordert, die Vorbereitungen für den Abriss des Palasts der Republik voranzutreiben und den Wettbewerb für den Wiederaufbau zügig zu veranlassen“, sagte Thierse am Donnerstag auf einer Pressekonferenz des Schloss-Vereins.

Dessen Vorsitzender Wilhelm von Boddien warf Berlins Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) vor, den Wiederaufbau des Schlosses bislang als „Projekt für die nächste Generation“ anzusehen. Stattdessen sollte sich die Landesregierung offensiver zu dem geplanten Bau in Berlins historischer Mitte bekennen: „Der Senat sollte sagen: Der 600-Millionen-Euro-Bau ist ein Konjunkturprogramm für die Stadt.“ Der Schloss-Vorkämpfer beklagte die angebliche Zurückhaltung von Bund und Land als einen der Gründe dafür, weswegen die bisher gesammelten Privatspenden hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. 640 000 Euro waren von Boddien zufolge im vergangenen Jahr zusammengekommen. 90 Prozent davon seien sogleich für den Wiederaufbau ausgegeben worden. So haben, wie berichtet, Handwerker bereits die ersten Adlerskulpturen aus Sandstein nachgebildet, die eines Tages die barocke Schlossfassade schmücken sollen.

Wegen ausbleibender Spenden verzögert sich auch die geplante „Infobox“ am Schlossplatz, in der der Förderverein und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eigentlich ab diesem Sommer über die Pläne für Schloss und Museumsinsel informieren wollten.

Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau des Stadtschlosses veranschlagt von Boddien mit 670 Millionen Euro. 80 Millionen will der Förderverein in den kommenden Jahren durch Spenden zusammenbekommen, 360 Millionen sollen von privaten Investoren kommen, 230 Millionen sind aus öffentlichen Kassen eingeplant.

Der Bund hatte im vergangenen November allerdings beschlossen, das Projekt wegen der angespannten Haushaltslage aufzuschieben. Dennoch hatte der Bundestag die Bundesregierung aufgefordert, den Wettbewerb für den Wiederaufbau in die Wege zu leiten, sodass der Bau bei einer besseren Haushaltslage „ohne Zeitverlust“ begonnen werden kann.

Der zuvor erforderliche Abriss des Palasts der Republik wird nach Ansicht des Schloss-Vereins deutlich billiger als bislang angenommen. Während in der Bundesbauverwaltung von Kosten bis zu 40 Millionen Euro ausgegangen werde, glaubt Wilhelm von Boddien, die Schlossfläche für sieben Millionen Euro von der Palast-Ruine befreien zu können. Als Beleg präsentierte er gestern das entsprechende Angebot einer Hamburger Abbruchfirma.

Neuen Schwung beim Spendensammeln erhofft sich von Boddien durch einen prominenten Partner, den er gestern vorstellte. Die Deutsche Bank wirbt künftig um Spenden für den Wiederaufbau, anfangs nur in ihren Berliner Filialen, später vielleicht auch bundesweit. „Helfen Sie mit“, steht auf den gelben Broschüren mit dem Schloss-Bild, die in der Bank ausliegen. Bis zur erhofften Grundsteinlegung – von Boddiens Wunschzeitpunkt ist 2007 – soll so „eine siebenstellige Summe“ zusammenkommen.

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