Berlin : Wieso Tempo?

Andreas Conrad

Die Linden lang! Galopp! Galopp!/ Zu Fuß, zu Pferd, zu zweit!/ Mit der Uhr in der Hand, mit’m Hut auf’m Kopp./ Keine Zeit! Keine Zeit! Keine Zeit!“ Ja, so ging es einst zu in dieser Stadt, man sprach vom „Berliner Tempo“. Gut 80 Jahre ist das her, Walter Mehring schrieb die Zeilen, Friedrich Hollaender setzte die Noten dazu. Vergangen und vergessen! Heute haben wir jede Menge Zeit. Hektik? Kein Gedanke. Zehn Jahre Flughafen-Planung, die nun in einer Gerichtsentscheidung münden – für hiesige Verhältnisse nicht mehr als ein Wimpernschlag der Geschichte. Nehmen wir nur die anstehende Verlagerung des Blumengroßmarkts: Darüber wurde bereits Mitte der 80er diskutiert. Und die 25-jährigen Bemühungen, die Schulen mit modernen Computern auszustatten – schweigen wir davon. Schon die damalige Eröffnung eines Schülerrechenzentrums war kein Ruhmesblatt, sondern kam verspätet. France Gall hatte bereits 1968 geträllert: „Der Computer Nr. 3 sucht für mich den richtigen Boy“. In Berlin aber sorgte man sich noch ein gutes Jahrzehnt später um die Gefährdung der Schüler durch EDV. Kein Wunder, beim hier üblichen Tempo.

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