Berlin : Wildschmaus in der Unterwelt

Im uralten Gewölbe von Schloss Zehdenick

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Alte Gewölbekeller sind meist ein Ort der Bewunderung. Ehrfurchtsvoll wird das uralte Werk vorangegangener Generationen in Augenschein genommen, das einst ohne große technische Hilfsmittel entstand. Die Exaktheit des Baus nötigt Respekt ab. Ein Musterbeispiel dieser Kunstwerke versteckt sich im Schloss Zehdenick direkt an der Havel. Das Wort „versteckt“ ist durchaus wörtlich zu nehmen. Wer sich dem Haus nähert, egal, ob von der Stadt oder vom Fluss her, vermutet im Innern kaum einen Gewölbekeller aus dem 13. Jahrhundert. Viel zu neuzeitlich präsentiert sich die Fassade des heutigen Hotels mit Appartements und Ferienwohnungen.

Doch die Entdeckungstour lohnt sich. Tief in der Erde verbirgt sich seit fast 800 Jahren der Gewölbekeller. Dank seiner rund zwei Meter dicken Mauern gilt er zu Recht als unerschütterlich, während die Bauten darüber im Lauf der Zeit immer wieder ein neues Aussehen erhielten. Zum Glück kann heute jedermann die besondere Atmosphäre dieses Raumes genießen, zog hier doch ein stilvolles Restaurant ein.

Darin lässt sich wunderbar über die Geschichte des Hauses plaudern, die noch einige Besonderheiten aufweist. Zur Überraschung taucht hier beispielsweise der Name des Adelsgeschlechts derer von Arnim auf, die über viele Jahrhunderte eher das Geschehen in der weiter nördlich gelegenen Uckermark bestimmten. Doch ein Zweig der Arnim’schen Familie lebte ganze 90 Jahre hier, bis 1528. Dann hatte Brandenburgs Kurfürst Joachim I. großes Gefallen an dem Zehdenicker Anwesen gefunden. Er bot das Schloss Boitzenburg inmitten der Uckermark zum Tausch, um Zehdenick als Ausgangspunkt für seine Jagden nutzen zu können. Die Arnims willigten gerne ein.

Vielleicht war auch der stattliche Gewölbekeller auf das besondere Interesse des Kurfürsten gestoßen. Schließlich dürfte sich der Raum schon damals ausgezeichnet für einen Wildschmaus und Zechgelage geeignet haben, bei denen dann die Kellergeister zu Kopfe steigen. Eine Tradition, die bis heute hinter den mächtigen Mauern überlebt hat. Ste.

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