Wildtiere in Berlin-Brandenburg : Totes Wisent sorgt für Ärger

Ein Wisent ist in Ostbrandenburg auf amtliche Anweisung erlegt worden – zum „Schutz der Bevölkerung“, sagt die Behörde. Doch die Empörung ist groß.

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Seltener Gast. Der Wisent ist das größte und schwerste Landsäugetier in Europa. Ein aus Polen nach Brandenburg gewandertes Tier wurde erschossen – auf amtliche Anweisung, dennoch unzulässig und zudem unnötig: Es gefährdete niemanden.
Seltener Gast. Der Wisent ist das größte und schwerste Landsäugetier in Europa. Ein aus Polen nach Brandenburg gewandertes Tier...Foto: Patrick Pleul/dpa

Im ostbrandenburgischen Lebus ist ein aus Polen nach Brandenburg gewanderter Wisent erschossen worden – nun müssen sich die Verantwortlichen heftige Kritik und Fragen gefallen lassen. Im Land herrscht Empörung – von der Landesregierung bis zu Umweltverbänden.

Nach Angaben der Polizei hatte ein Mann am Mittwoch den Wisent auf einem Oder-Deich bei Lebus (Märkisch-Oderland) gesichtet und die Polizei alarmiert. Gemeinsam mit dem Ordnungsamtsleiter der Kommunen sei bei Einbruch der Dunkelheit beschlossen worden, das Tier zum Schutz der Bevölkerung zu erlegen. Zwei Jagdpächter hätten den Wisent dann erschossen.

Entsetzen über den Tod des Tieres

Ein Sprecher des Umweltministeriums erklärte in Potsdam: „Wir sind entsetzt und empört.“ Weder das Ministerium noch das Landesumweltamt seien in die Vorgänge eingebunden gewesen. Wisente gehörten zu den in Deutschland streng geschützten Tierarten, sagte der Sprecher.

Von den polnischen Behörden habe das Ministerium erfahren, dass es sich wohl um einen Bullen handelt, der im Gebiet des Nationalparks Warthemündung westlich von Kostrzyn (Küstrin) seit Längerem frei herumlaufe. Davon, dass von dem Tier eine Gefahr ausgegangen sei, sei den polnischen Behörden nichts bekannt.

Wilde Tiere in Berlin
"Seltener Besuch mitten in Kreuzberg", schreibt uns Wiebke Rösler. "Wollte der Sperber wirklich nur unser Vogelhäuschen und den Meisenknödel angucken? Ein Vögelchen oder gar eine Meise hat er bei uns nicht geschlagen."Weitere Bilder anzeigen
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21.09.2017 10:11"Seltener Besuch mitten in Kreuzberg", schreibt uns Wiebke Rösler. "Wollte der Sperber wirklich nur unser Vogelhäuschen und den...

Der Ministeriumssprecher erklärte weiter: „Nach unseren Informationen hat sich das Amt Lebus hier auf das Ordnungsrecht berufen. Dies greift aber nur, wenn unmittelbar Gefahr im Verzug ist, und auch dann ist nur das mildeste Mittel zulässig.“ Im Zweifelsfall hätte der Einsatz eines Betäubungsgewehrs gereicht, zudem gebe es einen Notdienst beim Landesveterinäramt, der jederzeit erreichbar sei. „Das Amt sollte wissen, dass jeder Kreisveterinär Betäubungsmittel einsetzen kann.“

Wisente seien auch nicht dafür bekannt, gefährlich zu sein. „Dann müsste halb Polen, wo das Tier ein nationales Symbol ist, zur Gefahrenzone erklärt werden“, sagte der Ministersprecher. In Polen sei wegen des Vorfalls die Aufmerksamkeit groß. Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) habe sich nun eingeschaltet und einen Bericht des Landkreises angefordert. Die Tiere sind die letzte noch in Europa vorkommende Wildrindart, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa fast ausgestorben war und heute vorwiegend in Osteuropa vorkommt.

Strafanzeige gegen Lebuser Ordnungsamt

Tierschützer haben indes Strafanzeige gegen den Leiter des Lebuser Ordnungsamts gestellt. „Nach über 250 Jahren ist ein Wisent in Deutschland gesichtet worden – und alles, was dem Ordnungsamt einfällt, ist der Abschuss“, sagte WWF-Vorstand Naturschutz Christoph Heinrich. „Die Abschussfreigabe eines streng geschützten Tiers ohne ein ersichtliches Gefährdungspotenzial“ sei „eine Straftat“. Heinrich sagte: „Der Abschuss ist leider auch Ausdruck der Hilflosigkeit der Behörden, wie sie mit Wildtieren umgehen sollen.“

Von wildlebenden Wisenten gehe keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus. „Dass das artspezifische Verhalten von Wisenten für den Menschen keine Bedrohung ist, haben sowohl in Polen als inzwischen auch in Deutschland erfolgreich durchgeführte Projekte mit wildlebenden Wisenten gezeigt“, hieß es. Auch den Landtag Brandenburg wird der Fall beschäftigen. Die Grünen-Fraktion will den Vorfall im Umweltausschuss besprechen.

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