Berlin : Wilhelmstadt fühlt sich im Abseits - Ängste nicht ausgeräumt

Rainer W. During

Während gleich neben dem Fernbahnhof nach den Feierlichkeiten am vergangenen Freitag die Bagger die Erde aufwühlen, herrscht ein paar hundert Meter weiter Frustration. In der Wilhelmstadt, sozusagen im Schatten des neu entstehenden Einkaufszentrums SpandauArcaden, machen sich die Geschäftsleute Sorgen um die Zukunft. 39 Läden stehen bereits leer und ein Aufschwung zeichnet sich nicht ab.

Im Gegensatz zur Altstadt fühlt man sich stiefmütterlich behandelt. So beschwor R. Roger Weiss, Chef des Arcaden-Investors MFI, zwar die Partnerschaft mit "dem Einzelhandelsstandort Altstadt", doch die Nachbarn im Süden fanden nicht einmal Erwähnung. Und viel mehr als die Hinweise, dass man die Probleme "nicht aus den Augen verlieren" (Bürgermeister Konrad Birkholz, CDU) und sich um Handel und Wirtschaft in Altstadt und Wilhelmstadt "in den nächsten Jahren" intensiv bemühen werde (Baustadtrat Carsten Röding, CDU) war auch von der Politik nicht zu hören.

Das Bezirksamt hat den Investor per städtebaulichem Vertrag nur zur Anbindung der Altstadt verpflichtet, für die eine Million Mark bereitgestellt wurde. Schwieriger dürfte es sein, die Kunden des Centers in die Wilhelmstadt zu locken. Zwar hat man aus dem Rathaus das Signal erhalten, hierfür könnte wenigstens ein sechsstelliger Betrag locker gemacht werden. Doch wie eine solche Verbindung aussehen könnte, darüber sollen sich die Süd-Spandauer selbst Gedanken machen. Bisher gebe es "keine konkreten Lösungsansätze" hatte Stadtrat Röding bereits in der BVV erklärt.

Nicht nur die Arcaden, die Ende 2001 eröffnen sollen, bereiten den Wilhelmstädtern Sorgen. Doch auch die Lösung der akuten Probleme kommt nur langsam voran. So hat das Bezirksamt den Ersatz der maroden Parkuhren durch Parkscheinautomaten zwar vorerst gestoppt. Aber ob es stattdessen zu der von den Geschäftsleuten favorisierten Parkscheibenregelung kommt, ist ungewiss. Gemeinsam mit der Straßenverkehrsbehörde soll wenigstens geprüft werden, ob eine Abweichung von der Gebührenpflicht möglich ist. Der ebenfalls geforderte Durchstich der Brüder- zur Wilhelmstraße stieß in der BVV eher auf Skepsis.

Ohnehin sei von hier "nur Hilfe zur Selbsthilfe" zu erwarten, sagte der Bezirksverordnete Dietrich Berndt (SPD). Die Betroffenen dürften "nicht nur Forderungen stellen und jammern", sondern müssten "selbst mit positivem Denken" aufwarten. Den "Transport positiver Beispiele" erwartet auch Stadtrat Röding. Das allein könne es nicht sein, kritisierte der Vize-Vorsitzende der IG-Wilhelmstadt, Klaus-Peter Hartwich, das Verhalten der Politiker.

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