Berlin : Wilhelmstraße zu, Französische Straße auf

Wegen der Sperrungen vor der Britischen und der US-Botschaft beleben Verkehrsplaner ein altes Projekt neu

Matthias Oloew

Weil die Wilhelmstraße vor der Britischen Botschaft bis auf Weiteres gesperrt bleibt, kommt jetzt ein bislang auf Eis gelegtes Verkehrsprojekt wieder auf die Tagesordnung: die Verlängerung der Französischen Straße. Wie der Tagesspiegel aus Verwaltungskreisen im Senat und Bezirk Mitte erfuhr, soll die Trasse von der Glinkastraße über die Wilhelmstraße bis zur Ebertstraße als wichtige Ost-West-Verbindung schneller kommen als geplant.

Verkehrsplaner sehen das auch als Vorkehrung für eine eventuelle Sperrung der Behrenstraße. Dort beginnen im Oktober die Bauarbeiten für die US-Botschaft. Heute weiß niemand, ob die geplanten Sicherheitsmaßnahmen an der neuen US-Mission ausreichen oder ob die Behrenstraße trotz aller Bemühungen nicht doch gesperrt werden muss – so wie jetzt die Wilhelmstraße.

Hintergrund der Überlegungen sind die Erfahrungen mit der Britischen Botschaft. Vor gut zehn Jahren, als das Regierungsviertel neu geplant wurde, hatte niemand mit der Terrorgefahr und den daraus resultierenden Sicherheitsvorkehrungen gerechnet. Die Botschaft zog an ihren historischen Ort zurück. Das ist beim Bau der US-Botschaft inzwischen anders. US-Außenminister Colin Powell hatte eine Verlegung nach Dahlem beispielsweise als falsches Signal abgelehnt. Nach langjährigen Verhandlungen fanden Senat und USA im vergangenen Jahr ein Kompromiss: Verlegung der Behrenstraße und massive Poller rund um die neue Botschaft als Sicherheitsmaßnahme.

Eine Vollsperrung der Behrenstraße würde zu einem Kollaps im Ost-West- Verkehr führen, befürchten die Planer. Dem will man mit der Verlängerung der Französischen Straße vorbeugen. Auslöser dafür, dass die alten Pläne wieder hervorgeholt werden, sind die Ergebnisse eines Gesprächs vom vergangenen Donnerstag. Dort hatten der britische Botschafter und der Regierende Bürgermeister beschlossen, dass die Barrieren vor der Britischen Botschaft aufgehübscht werden. Die tonnenschweren Klötze verschwinden, stattdessen werden Poller wie vor der Synagoge in der Oranienburger Straße aufgestellt.

In absehbarer Zeit wird sich diese Situation in der Wilhelmstraße dann wohl nicht mehr ändern. Denn die Poller müssen – anders als die Betonklötze – aufwändig im Boden verankert werden. Das bedeutet, der Asphalt wird an vielen Stellen aufgemeißelt, um die Poller im Boden zu versenken. Stehen Sie aber erst einmal da – das zeigt die Erfahrung –, werden sie nicht ohne Weiteres wieder entfernt. In den beteiligten Senatsverwaltungen gibt es dafür keine offizielle Bestätigung, aber hinter vorgehaltener Hand wird deutlich: Niemand rechnet damit, dass die Wilhelmstraße überhaupt wieder freigegeben wird.

Eine solche Situation dürfe sich an der Behrenstraße nicht wiederholen, sagen die Planer. Sie wollen sich nicht allein auf die Zusagen von Sicherheitsbehörden und der US-Botschaft verlassen, dass die vorgesehenen Maßnahmen ausreichen und die Behrenstraße für den Verkehr immer frei bleibt.

Die Verlängerung der Französischen Straße war bereits kurz nach der Wende geplant worden. Die Trasse soll die Wilhelmstraße kreuzen, zwischen Holocaust-Mahnmal und den Landesvertretungen In den Ministergärten entlanglaufen und schließlich auf die Ebertstraße treffen. Anwohner der Wilhelmstraße hatten sich immer gegen die Pläne gewehrt. Wer die Kosten für die neue Straße trägt, ist noch unklar. Bis 2008 würde sich der Bund mit einem Löwenanteil beteiligen. Solange läuft das Programm Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt, das Straßenneubauten im Regierungsviertel zu 64 Prozent trägt.

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