Berlin : Willkommen im WM-Club

Das „Lido“ lädt im Juni zum entspannten Fußballfestival– präsentiert auch vom Tagesspiegel

André Görke

Noch ist das „Lido“ an der Spree in Kreuzberg eine Baustelle. Bis vor kurzem hatte sich im Innenhof ein Gebrauchtwagenhändler breit gemacht, drinnen probten die Darsteller der Schaubühne. Jetzt arbeiten dort nur noch Handwerker und Maler, damit alles rechtzeitig fertig wird bis zum 9. Juni – zum Auftakt der Fußball-WM. Während des Turniers können Fans dort die Spiele im „WM-Quartier“ schauen und anschließend bei Musik weiterfeiern. Präsentiert wird der Club von dem Fußballmagazin „11 Freunde“, dem RBB-Inforadio, dem Stadtmagazin „Zitty“ und dem Tagesspiegel.

Am Mittwochabend wurden schon einmal Bar und Bildschirm getestet. Das Halbfinale in der Champions League stand an, hochklassiger Fußball also, viele Berliner WM-Macher waren geladen. Nebenbei blieb auch noch Zeit für erste Korrekturen. Einer der beiden „Lido“-Inhaber Stefan Theile (bekannt durch die Partyreihe „Karrera Klub“) wünschte sich ein paar wärmere Farben, der blau-graue Anstrich gefällt ihm nicht so sehr, „ist nicht gemütlich genug“. Den Club eröffnet er am 19. Mai mit Pop-Konzerten im Rahmen der britischen Musikwoche.

Seit März betreibt der 35-Jährige den Club, der in den Fünfzigern ein Kino war und in den Siebzigern Heimat des „West Side Clubs“. Nach der WM sollen dort kleinere Konzerte stattfinden, Lesungen, Kulturabende. „Das Viertel boomt“, sagt Theile. Nebenan liegen der „Club der Visionäre“ oder der „Freischwimmer“, das „Watergate“ oder der „103 Club“ befinden sich eine Straße weiter, und zur Oberbaumbrücke sind es nur wenige Meter. Eine kleine Konzerthalle hat in diesem Kreuzberger Viertel noch gefehlt, sagt Theile, den viele nur „Spencer“ nennen („Wegen ,Hallo-Spencer’ – ich hab’ einen ähnlichen großen Kopf“).

Zur Fußball-WM zwischen 9. Juni und 9. Juli soll das „Lido“ anders sein als die „Straßenfeste mit Riesenbespaßung und Schnitzelteller“, sagt 11-Freunde -Chefredakteur Philipp Köster. „Wir wollen Wohnzimmer-Atmosphäre bieten.“ Tagsüber stehen im Innenhof Bildschirme, und die Fans können auf Bierbänken sitzen und Fußball gucken. Im Club werden die WM-Spiele auf einer Leinwand übertragen. An den Abenden werden Prominente launige Kommentare abgeben – zum Auftakt am 9. Juni kommt Ewald Lienen, Alt-Sozi und Fußballtrainer. Nach den Spielen wird niemand nach Hause geschickt – DJs legen auf und Live- Bands treten auf. „Spencer“ ist schließlich Konzertveranstalter.

Keinen Mainstream, keine bemühte Fußballfolklore, dafür entspannte Stimmung, das sei das einfache Ziel, sagt Theile. „Die Leute sollen bei uns auch mal über Politik und Musik quatschen können, wenn nebenbei Fußball läuft.“ Philipp Köster, na klar, ist Fußballfan (Arminia Bielefeld), Clubbetreiber Theile allerdings auch. Er ist sogar Mitglied beim deutschen Arsenal-London-Fanklub „German Gunners“. Und bei Arsenal steht Nationaltorhüter Jens Lehmann im Tor. Der hat im „Lido“ ab jetzt Heimvorteil.

Heute startet noch ein WM-Projekt , 11 Freunde, Zitty, Inforadio und Tagesspiegel: „Die Ewige WM-Elf“ – mit prominenten Experten wie Günter Netzer, Marcel Reif oder Anne Will. Mehr dazu im Sportteil auf der Seite 22.

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