Berlin : Willkommene Wohngemeinschaft

Treptow-Köpenick wirbt gezielt um Studenten als Zuzügler

Matthias Jekosch

„Vielleicht ist bald auch Schöneweide hip!“ Gabriele Schöttler (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Treptow-Köpenick meint es ernst. Schöneweide als neuer Trendstadtteil, angesagt wie Prenzlauer Berg? Der einstige Industriestandort wird seit der Wende von Arbeitslosigkeit und Wohnungsleerstand geplagt. Nun will der Bezirk gezielt Studenten ansiedeln, um den Stadtteil zu entwickeln.

Erstes Ergebnis der Bemühungen: Die zur Deutschen Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaus (Degewo) gehörende Köwoge hat 2006 begonnen, ein leer stehendes Wohnhaus zu sanieren. Es heißt nun „Studentisches Haus“. Im Dezember zog der erste Mieter ein. Niedrige Preise sollen junge Leute anlocken: Die 24 Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen kosten nach Angaben einer Degewo-Sprecherin 4,50 Euro/m2 netto kalt, die Preise gelten für drei Jahre. Oberschöneweide sei kein Standort, der boomt. „Aber es entwickelt sich“, sagt die Sprecherin. Vor allem die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, die 2006 an die Wilhelminenhofstraße zog, sei dafür verantwortlich.

„Studenten wollen da wohnen, wo sie auch studieren“, meint Schöttler. Um ihnen den Weg in den Kiez zu erleichtern, hat der Bezirk eine Wohnraumbörse eingerichtet. Im Internet können sich Wohnungssuchende und -anbieter austauschen, außerdem hilft der Bezirk bei der Vermittlung von Mitbewohnern für Wohngemeinschaften. Schöttler will die Studenten langfristig an den Bezirk binden. „Wir gehen davon aus, dass sie auch nach ihrem Studium bleiben.“ Weder der Senat noch das Studentenwerk Berlin, das mit 42 Wohnheimen einer der ersten Anlaufpunkte für wohnungssuchende Studenten ist, können sagen, in welchem Bezirk wie viele Studenten wohnen.

Unter den Bezirken ist bisher keiner so bemüht um studentische Zuzügler wie Treptow-Köpenick. Nach Friedrichshain-Kreuzberg ziehen die Studenten sowieso, da brauche es keine Anreize, heißt es aus dem Bezirksamt. In Charlottenburg-Wilmersdorf könnte ein englisches Unternehmen schon 2008 mit dem Bau von Studentenwohnungen beginnen, verrät Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Doch der Bezirk hat nichts zur Förderung des Projekts beigetragen.

„Wir haben keine konkrete Handhabe, die Wohnungsbelegung zu steuern“, sagt Lichtenbergs Baustadtrat Andreas Geisel (SPD). Dennoch profitiert in seinem Bezirk zur Zeit der Kaskelkiez nahe Ostkreuz von jüngeren Zuzüglern. „Die Szene aus Friedrichshain schwappt über“, beobachtet Geisel. In den Kiez wurden allerdings über 50 Millionen Euro investiert. „Die Sanierung schafft die Voraussetzung für die Entwicklung.“ Die läuft meist gleich ab: Günstige Lage, geringe Mieten – viele Studenten, steigende Preise – besserverdienende Mieter, die Studenten ziehen weiter.

Oberschöneweide steht noch ganz am Anfang dieses Weges. „Die Infrastruktur hier muss sich erst mal entwickeln“, sagt die Degewo-Sprecherin. Die Degewo hat Erfahrung mit Studenten. Mit der Aktion „Zwei Semester, eine Miete“ hat das Unternehmen zum Wintersemester 2007/2008 250 Mietverträge abgeschlossen – allerdings in Innenstadtbezirken.

In zentraler Lage hat auch die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) 38 000 Wohnungen. Die Erfahrungen mit Studenten seien positiv, doch werde nicht gezielt um sie geworben, so eine WBM-Sprecherin. Wenn Studenten mit dem Wunsch nach einer WG kommen, könnten die Mitarbeiter ihnen eventuell preislich entgegenkommen. „Es muss nicht sofort in der Kasse klingeln.“ Der Baugesellschaft gehe es um die langfristige Bindung der Mieter. Der Gewobag ist dieses Ziel sogar Geld wert. Studenten und Berufsanfänger erhalten bei Einzug eine Gutschrift über 300 Euro auf das Mietkonto. Matthias Jekosch

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