WILLY BRANDTS SPUREN IN BERLIN : Büsten, Bilder, Namen – und ein halbes Doppelhaus

An sich wollte Berlin seinem charismatischen Ex-Regierenden eine Straße maximaler Prominenz widmen – doch auch heute fragen viele Berliner noch, warum es diese Straße nicht gibt. Irrtum: Es gibt sie, das Bundeskanzleramt hat die Adresse Willy-Brandt-Straße 1. Das fällt aber nur jenen wenigen Berlinern auf, die der Kanzlerin einen Brief schreiben; zu Fuß kommt dort praktisch niemand vorbei. Weitaus populärer ist die Kreuzberger SPD-Zentrale in der Stresemannstraße, die selbstverständlich nach Willy Brandt benannt wurde; Rainer Fettings Standbild im Foyer ist jedem Fernsehzuschauer bekannt. Eine weitere Büste aus der SPD-Zentrale fiel 2005 deshalb auf, weil sie von Besetzern des Gebäudes gestohlen und wenig später zurückgegeben wurde. Als ehemaligem Präsidenten des Abgeordnetenhauses stand Brandt ebenfalls eine Bronzebüste zu – sie steht seit 2005 im Preußischen Landtag. Auch im Rathaus Schöneberg, dem früheren Sitz des Abgeordnetenhauses und des Regierenden Bürgermeisters, wird an Brandt erinnert: Der Bürgersaal, Schauplatz vieler seiner Reden, trägt seinen Namen. Ferner existieren natürlich zahlreiche Porträt-Gemälde des Politikers, eins davon hängt im Kanzleramt, geschaffen von Oswalt Petersen. Es ersetzte ein umstrittenes Bild aus der Hand von Georg Meistermann, das 1982 von Helmut Kohl persönlich verbannt wurde, weil es ihm nicht gefiel – es hängt heute im Willy-Brandt-Forum in Unkel, Brandts letztem Wohnort. Ein nach Brandt benanntes Forum gibt es aber auch in Berlin, es beherbergt die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung Unter den Linden. Eine ziemlich vergiftete Gabe der Region an den so hochverdienten Politiker ist die Benennung des neuen Flughafens, dessen Fertigstellung nicht absehbar ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch bleibt es vorerst beim neutralen „BER“. Wenig bekannt ist die Doppelhaushälfte am Marinesteig 14 in Schlachtensee, wo eine Gedenktafel an Brandt erinnert: Hier wohnte die Familie von 1957 bis 1964. Von dort bis zum Zehlendorfer Waldfriedhof ist es nicht weit. Hier wurde Brandt 1992 beigesetzt. Seine Exfrau Rut, die 2006 starb, liegt nur ein paar hundert Meter entfernt. Bernd Matthies

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