Berlin : Willy Kausch will auch künftig Silvester organisieren - aber mit besseren Konditionen

Wie lange haben Sie geschlafen?

Willy Kausch ist zwei Tage danach gelassen. Die von seiner Firma "Silvester in Berlin" organisierte Feiermeile ist ohne nennenswerte Pannen und Unfälle zu Ende gegangen. Mit zwei Millionen Gästen kamen doppelt so viele wie erwartet, doppelt so hohe Umsätze auf dem Fest erwartet Kausch hingegen nicht. Trotzdem will er weitermachen. Mit ihm sprach Matthias Oloew.

Wie lange haben Sie geschlafen?

Neujahr von 14 bis 20 Uhr - komatös im Tiefschlaf. Danach war ich wieder munter.

Und zufrieden mit dem Ablauf des Festes?

Ich denke schon. Die letzten drei Stunden des alten Jahres habe ich im Lagezentrum der Polizei verbracht. Ab 22 Uhr hieß es, noch weitere 500 000 Menschen seien auf dem Weg zur Party, da haben wir über Funk und Fernsehen verbreiten lassen, dass nichts mehr geht. Züge haben deshalb nicht mehr in den Bahnhöfen in der Nähe der Feiermeile gehalten. Da konnte es sein, dass jemand am Alex aussteigen wollte, die Züge aber erst am Ostbahnhof hielten. Kritisch war es, als Eltern anriefen und ihre Kinder suchten. Aber Gott sei Dank ist alles gut gegangen.

Es gab kaum Zwischenfälle. Ist das Glück oder alles eine Sache der Planung?

Wir haben im Vorfeld viel besprochen und geplant, die Polizei war nicht nur Partner sondern auch Berater. Aber sicher haben wir auch viel Glück gehabt. Mit einer Million Gäste habe ich gerechnet, dann waren es doppelt so viele. Das sind dann Massen, die nur schwer zu steuern sind.

Da sind sind Sie wohl jetzt ein reicher Mann.

Der Besucheransturm wirkt sich auf mein Geschäftsergebnis nicht aus. Ich habe Sponsorenverträge geschlossen, die eine bestimmte Summe Geldes vereinbart hatten, und die Standmieten für die Händler waren auf 350 Mark pro laufendem Meter festgelegt, egal, wieviele Leute kommen.

Also jubeln die Straßenhändler.

Das müssen wir abwarten. Klar ist aber jetzt schon, dass die erhofften Umsätze nicht erzielt wurden, weil zu viele Leute gekommen sind. Erfahrungsgemäß ist es so, dass die Umsätze an Imbissständen und Bierbuden dann besonders hoch sind, wenn die Leute flanieren können, wenn also der Durchfluss auf der Meile klappt. Ist es zu voll, verzehren die Leute weniger, weil sie dafür keine Ruhe haben. Also: Es wird am Ende wohl kein Idealergebnis dabei herauskommen.

Was wäre das Idealergebnis?

Die Umsätze hätten das Dreifache erreichen können. Also werden wir künftig überlegen müssen, ob das Konzept nicht geändert werden muss. Denkbar wären Absperrungen wie bei Rockkonzerten, damit auf der Meile nicht so ein Gedränge herrscht. Die Leute zahlen dann einen symbolischen Eintritt von zwei Mark, der gespendet wird.

Wie zufrieden sind Sie mit der von ihnen organisierten Gala im Zelt am Reichstag?

Die Gala hat richtig weh getan, da haben wir zulegen müssen. Mit 1800 zahlenden Gästen haben wir gerechnet, 1200 waren schließlich da. Und der Aufwand war enorm.

Trotzdem sind 116 000 Mark als Spende für Unicef herausgekommen.

Ich hatte mich zuvor beim Senat verpflichtet, 100 Mark pro zahlendem Gast als Spende zu überweisen. Aus dem Ergebnis wäre sicherlich nichts mehr für das Kinderhilfswerk übrig geblieben. Aber das wird in den nächsten Jahren anders sein.

Sie werden also weitermachen?

Klar. Die Marke "Silvester in Berlin" ist jetzt erfolgreich eingeführt. Sponsoren werden sich leichter finden lassen, sowohl für die Gala, als auch für die Straßenfete. Außerdem wird es nicht immer so viele Konkurrenzveranstaltungen geben. Commerzbank, DG-Bank, Dresdner Bank und schließlich Sony hatten ihre eigenen Galas, da waren viele potenziellen Gäste für das Zelt am Reichstag einfach anderswo versorgt.

Wann beginnen die Vorbereitungen für das nächste Mal?

Zunächst müssen die Voraussetzungen geklärt werden. Ich will mit der Stadt über einen Drei-Jahres-Vetrag verhandeln. Es geht nicht, erst im März die entsprechenden Verträge mit den Behörden zu unterschreiben und dann mit dem Organisieren zu beginnen. Das ist ein zu kurzer Vorlauf.

Was sind die Konsequenzen für die nächsten Jahre?

Dass die Erwartungen vorher nicht so euphorisch sein werden. Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Mein Partner und Mitgesellschafter Wolfgang Penk wollte Howard Carpendale als Stargast für das Gala-Zelt haben. Er verlangte im Frühjahr 300 000 Mark Gage, wollte aber am frühen Abend noch in Düsseldorf auftreten und später in einer eigens gecharterten Maschine nach Berlin jetten. Da haben wir abgelehnt. Dann platzten die Millennium-Galas in Frankfurt, Köln und sonstwo, und im Oktober rief Carpendales Management bei Penk an: Da hätten wir ihn für 60 000 bis 80 000 Mark haben können.

Die nächsten Silvesterfeten werden kaum noch einmal so viele Menschen anlocken.

Richtig, aber eine Million Besucher ist als langfristiges Mittel realistisch.

Also könnte Berlin, wie vom Senat gewünscht, dauerhaft zur Party-Metropole werden?

Sicher, und das ist gut so. Gäste, die zu Silvester, zur Love Parade oder zu einer anderen Straßenparty in der Stadt sind, kommen gern nach einigen Jahren wieder.

Kritik gibt es, dass die Parkanlage des Tiergartens wieder in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Für die Grünanlagen habe ich eine Bürgschaft von 225 000 Mark hinterlegt. Ich gehe davon aus, dass die weg sind, weil damit Schäden behoben werden.

Wollen Sie nicht auch noch die Love Parade organisieren?

Um Gottes Willen, nein! Man kann Silvester und die Love Parade nicht vergleichen, ich will nicht in der Partyschiene weitermachen, mein Haupt-Job ist die Organisation von Kongressen. Aber Ideen habe ich noch: Zum Beispiel eine Osterparade mit anschließendem Eiersuchen im Tiergarten.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar