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Wilmersdorf : Hubschraubereinsatz nach Brandanschlägen auf Autos

Trotz "Luftaufklärung" der Polizei brannten in Wilmersdorf in einer Nacht drei Autos. Die Helikopter-Crew wurde von einem Laserstrahl geblendet.

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Nächtlicher Einsatz. Die Feuerwehr löschte in der Nacht zum Freitag. Foto: Tzscheuschner
Nächtlicher Einsatz. Die Feuerwehr löschte in der Nacht zum Freitag.Foto: Tzscheuschner

Eine halbe Stunde knatterte der Polizeihubschrauber in der Nacht über Wilmersdorf – doch Erfolg hatten die Fahnder dieses Mal nicht gegen die mutmaßlich linksextremen Zündler. Gegen 0.30 Uhr am Freitagmorgen brannten kurz nacheinander drei Fahrzeuge im Wilmersdorfer Teil des Bayerischen Viertels. Zunächst ein Audi A4 auf einem nur über eine Hofeinfahrt erreichbaren Mieterparkplatz an der Grainauer Straße, Minuten später dann 300 Meter entfernt zwei Mercedes in der Regensburger Straße. Der oder die Täter legten bei dem Audi und einem Mercedes vom Typ E220 Grillanzünder auf die Reifen. Gleich neben dem Mercedes stand ein hochwertiger Geländewagen im Halteverbot. Die Flammen griffen über. Alle drei Wagen wurden zerstört.

In dieser Nacht griff die Polizei wieder zum bislang erfolgversprechendsten Mittel: Dem Hubschrauber. Dieser wurde um 0.44 Uhr zur „Luftaufklärung im Bereich Wilmersdorf“ angefordert und stand etwa eine halbe Stunde lang über der Kreuzung Bundesallee/Hohenzollerndamm. Zudem wurden Zivilkräfte in dem Bereich sofort massiv verstärkt. Im Juni waren mit Hilfe des Hubschraubers zwei Tatverdächtige gestellt worden.

Am Freitagmorgen nun wurde die Besatzung des Hubschraubers um 1.17 Uhr auf einmal von einem grünen Laserstrahl geblendet. Die Täter wurden im Bereich der Schöneberger Grunewaldstraße lokalisiert, über einen Zusammenhang kann nur spekuliert werden. Mehrfach hatten Linksextremisten in diesem Jahr bei Demonstrationen, vor allem in Friedrichshain, Polizisten mit diesen starken Strahlen verletzt. Nach diesem Zwischenfall kehrte der Eurocopter zum Stützpunkt im brandenburgischen Blumberg zurück.

Am Freitagvormittag untersuchten Experten der Kriminaltechnik den Tatort. Geprüft wird, ob der Anschlag in der Regensburger Straße von einer der Kameras der Investitionsbank Berlin erfasst wurde. Die IBB-Zentrale liegt direkt am Tatort. Andere Hinweise auf die Täter gibt es nicht. Ein Ermittler spitzte das Dilemma der Polizei bei diesem Delikt gestern so zu: „Ein Mord ist leichter aufzuklären.“ Die Zündler hinterlassen nahezu keine Spuren. Um ein Auto in Brand zu setzen, genügt ein glimmender Grillanzünder, der auf einem Rad abgelegt wird – das geht so schnell und unauffällig, dass es nahezu unmöglich ist, Täter auf frischer Tat zu erwischen.

Polizeidirektor Thomas Dublies sagte am Freitag, dass derzeit alleine 40 der 60 Beamte, die eigentlich für die Sicherheit bei der BVG eingeplant sind, nach 23 Uhr als „Brandstreife“ unterwegs sind. Die amtierende Polizeipräsidentin Koppers hatte zuletzt die Zahl von 130 Beamten genannt, die nachts gegen Zündler unterwegs sind. Die vor Monaten vom Polizeipräsidenten ausgelobte Belohnung von 10 000 Euro hat bislang keinen Erfolg gehabt. Bekennerschreiben gibt es auch in diesem Jahr kaum, das letzte bezog sich auf den Brandanschlag in einem Citroen-Autohaus in Lichtenberg.

Das Polizeipräsidium geht auch bei den jüngsten Taten in Wilmersdorf von einem politischen Motiv aus. Weiterhin steuern die Brandstifter auf einen neuen Rekord zu. In diesem Jahr wurden 108 Fahrzeuge angesteckt, die Flammen griffen auf 71 weitere Fahrzeuge über. Wie berichtet, hatte es in den ersten vier Monaten kaum Taten gegeben, seit dem 1. Mai jedoch ist eine auffallende Aggressivität zu erkennen. Bislang sind alle Erklärungsversuche gescheitert. Zuletzt hatte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) es „faszinierend“ genannt, dass nach der Hubschrauber-Festnahme eines Tatverdächtigen die Serie abgebrochen sei. Doch dies war voreilig: Zwar sitzt Detlef M. in Untersuchungshaft, doch nun brennen wieder Autos. Auffallend ist aber, dass die meisten Wagen nicht mehr wie bislang in Friedrichshain-Kreuzberg angezündet werden, sondern in bislang kaum betroffenen Bezirken und Ortsteilen wie Charlottenburg-Wilmersdorf oder Moabit. Dies erschwert den Zivilfahndern die Arbeit, da nicht die ganze Stadt überwacht werden kann.

Die CDU kritisierte in einer Pressemitteilung erneut den „Sparwahn des Senates“, der die Sicherheit gefährde. Jedoch hatte kürzlich ein CDU-Abgeordneter zugegeben: „Auch unter einem CDU-Bürgermeister würden Autos brennen.“

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