Windel für Kutschpferde gefordert : Pferd äpfelt auf Straße, da rückt die Polizei an

28.06.2012 18:29 Uhrvon , Christa Roth
Haufenweise Ärger wegen der Kutschen: Die Pferdeäpfel stinken vielen Berlinern. Foto: dpa
Haufenweise Ärger wegen der Kutschen: Die Pferdeäpfel stinken vielen Berlinern. - Foto: dpa

Immer mehr Bürger beschweren sich über den Pferdemist rund um das touristische Zentrum. Der Bezirk Mitte will Windeln einführen.

Mehrere Streifenwagen der Polizei eilten zum Gendarmenmarkt. Allerdings nicht etwa, um Kriminelle zu verfolgen – sondern einen Pferdekutscher, der gerade japanische Touristen durch die Stadt kutschierte. Eines seiner Pferde hatte auf die Straße geäpfelt. Daraufhin ermahnte ein Polizist den Kutscher, den Mist wegzumachen – der ignorierte die Ansage und sah sich kurz danach von drei Polizeiautos umzingelt. Dem Mann drohen nun eine Geldstrafe und ein Punkt in Flensburg. Dieser Polizeieinsatz am Mittwoch sei „ein Ausnahmefall“ gewesen, sagte ein Behördensprecher. Doch der Ärger um die Äpfel nimmt zu.

Alexander Scharries vom Ordnungsamt Mitte berichtet, dass es seit etwa zwei Jahren „sehr viele Bürgerbeschwerden über die Pferdeäpfel auf der Straße“ gebe. Vor allem der Geruch im Sommer werde beanstandet. Aber auch Radfahrer berichten, dass die Rutschgefahr durch den Mist enorm sei. Scharries sagt, dass es mehrere Kutschunternehmen für den Bereich rund um das Brandenburger Tor und Unter den Linden gebe. Die Haltestellen würden sauber gehalten. Doch auch wenn die Pferde während der Fahrt äpfeln, müsse der Kutscher laut Straßenreinigungsgesetz eigentlich anhalten und den Bereich reinigen. „Das tun sie aber in der Regel nicht.“ Der Bezirk mache sich stark für ein Gesetz, das dieses Problem in Städten wie Wien oder New York bereits regelt: Dort müssen alle Pferde „Pooh-Bags“ tragen – also Pferdewindeln, oder besser: Auffangsäcke.

Tierschützer kritisieren dies. „Diese Taschen können für die Tiere gefährlich werden, wenn sie sich mit ihren Hinterbeinen darin verheddern“, sagt der Tierschutzbeauftragte Klaus Lüdcke. Stephanie Eschen vom Tierschutzverband hält den Einsatz von Kutschpferden generell für falsch. „Vor allem, wenn die Tiere zu lange in der Sonne stehen und nicht genug Wasser haben.“ Wie die Nutztiere artgerecht zu halten sind, legt eine 2009 erlassene Verordnung fest. So dürfen die Tiere am Tag nicht länger als neun Stunden unterwegs sein. Neben den Rundfahrten sind auch die An- und Abfahrtszeiten darin eingerechnet. Deshalb werden viele Tiere nicht in Außenbezirken, sondern in der Stadt untergebracht.

Glück bei der Suche nach geeigneten Unterstellplätzen hatte etwa Mandy Zachmann: Gemeinsam mit ihrem Mann ist die Kutscherin unter der sogenannten Millionenbrücke am Bahnhof Gesundbrunnen fündig geworden. 16 Pferde sind dort seit seit 2010 untergebracht, wenn sie nicht vor dem Brandenburger Tor stehen. Die Pferdeäpfel auf der Straße findet auch Zachmann nicht gut – nur: Ein Prototyp habe nicht funktioniert. „Wir bräuchten eine Firma, die so etwas für uns entwickelt“, sagt Zachmann. „Das kann eigentlich nicht so schwer sein. Wir haben’s ja auch bis zum Mond geschafft.“

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