Berlin : Winnetou am Wittenbergplatz

Daniela Sannwald

Seine Augen sind immer noch leuchtend blau, sein Teint gebräunt, und er hält sich, trotz seiner 75 Jahre, kerzengerade: Pierre Brice , der als Winnetou Karriere machte, ist wieder mal in Berlin, wo sein Erfolg begann: 1962 hatte ihn der Produzent Horst Wendlandt auf einer Berlinale-Party entdeckt, und zwei Monate später stand er schon für „Der Schatz im Silbersee“ vor der Kamera – als majestätischer Häuptling der Apachen an der Seite seines weißen Bruders Old Shatterhand. „Ich bin froh, dass diese blöde Mauer weg ist“, sagt er, „und ich liebe den Esprit der Berliner. Sie sind ein bisschen wie die Pariser, lustig und locker und – sie können sehr uncharmant sein.“ Brice lächelt jetzt und fügt dann schnell hinzu: „Genau wie die Pariser eben.“ Er findet, dass Berlin in den letzten fünfzehn Jahren immer bunter und heller geworden ist „wie der Himmel, der über Berlin strahlt“.

Jetzt hat Pierre Brice seine Memoiren geschrieben, für einen deutschen Verlag. „Ich bin in Frankreich nicht sehr bekannt“, sagt er, „mein Publikum ist hauptsächlich in Deutschland und Österreich, Italien und Spanien.“ Das Buch „Pierre Brice. Winnetou und ich. Mein wahres Leben“ ist im Gustav-Lübbe-Verlag erschienen.

1959 war der damals 30-jährige Brice nach Rom gegangen, um dort als Schauspieler zu reüssieren, und seither hat er immer mehr im europäischen Ausland als in Frankreich gearbeitet. Dort nämlich war Alain Delon als neuer Star entdeckt worden, und neben ihm, so erinnert sich Brice, konnte erst mal kein anderer leuchten. Und so hat er sich eben für die deutsch-französische Freundschaft eingesetzt, mehr als mancher Politiker, weil er der erste Franzose war, mit dem sich eine ganze Nachkriegsgeneration von Jugendlichen identifizierte. Und da er als Schauspieler mit der Figur des Winnetou verschmolz, prägte er – geheimnisvoll, wortkarg und gutmenschenhaft – das Bild der Indianer gleich mit. „Ich habe mit meiner Rolle für Frieden, Freiheit und die Menschenrechte gestanden“, sagt er, „und das war ganz besonders wichtig für die Deutschen nach dem Krieg.“

Brice war sechs Jahre Elitesoldat und 1948 im Indochina-Einsatz. Seine Kriegsbeschreibungen lassen mitunter Zweifel an seiner pazifistischen Gesinnung aufkommen. Aber er hat, sagt er, immer für die Freiheit gekämpft. Das mag naiv klingen. Und doch nimmt man es diesem eher soldatisch als indianisch wirkenden alten Mann ab; wegen seiner tiefblauen Augen wahrscheinlich.

Heute gibt Pierre Brice um 13 Uhr Autogramme im KaDeWe am Wittenbergplatz.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben