Winter in Berlin : Slalom durch die City

Das winterliche Wetter macht der Hauptstadt zu schaffen: Alle Bezirke vermelden neue Schlaglöcher und Straßen mussten teilweise gesperrt werden.

Rainer W. During
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Bei dichtem Schneefall kommen Autofahrer wie hier auf der B1 nur mühsam voran. -Foto: dpa

Bereits die erste Kälteperiode des Winters hat auf den Berliner Straßen deutliche Spuren hinterlassen. Die Schlaglöcher mehren sich und erste Fahrbahnen mussten teilweise gesperrt werden. Betroffen sind Straßen in allen Bezirken. Anfang der Woche mussten beispielsweise in der Landsberger Allee, der Leipziger Straße, dem Munsterdamm und der Stralauer Allee komplette Fahrstreifen wegen Straßenschäden gesperrt werden. Die Prenzlauer Promenade war nur im Slalom zu passieren und auch Teile der Torstraße zeigten sich in erbärmlichem Zustand.

Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, stand morgens auf dem Weg zum Dienst selbst im Stau, weil auf der Stadtautobahn eine Spur wegen der Beseitigung von Schlaglöchern gesperrt war. Weil die Straßenoberflächen immer älter werden und immer weniger Mittel für die Instandsetzung zur Verfügung stehen, verschlechtert sich die Situation von Jahr zu Jahr, so der Kommunalpolitiker. Der ADAC mahnt angesichts des wachsenden Unterhaltungs-Defizits davor, es weiter bei „Flickschusterei“ zu belassen.

„Alte, nicht gepflegte Straßen sind teure Straßen“, sagt der Pankower Stadtrat für Öffentliche Ordnung, Jens-Holger Kirchner (B90/Grüne). Jetzt würden die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte zu Tage treten. „Wir haben überall dort Schwierigkeiten, wo wir seit Jahren nichts machen konnten.“ Die Schlaglöcher seien inzwischen zum Teil 20 Zentimeter tief.

Bereits am Montag hat das Pankower Tiefbauamt mehrere Kolonnen in Marsch gesetzt, um die größten Löcher provisorisch zu stopfen. Dabei gilt eine strenge Prioritätenliste. Zuerst werden die Straßen mit Busverkehr geflickt, die kleinen Nebenstraßen müssen am längsten warten. Ähnlich sieht es auch in Mitte aus. Auch hier haben die Hauptstraßen Vorrang, während die Bereiche, wo nur Anlieger betroffen sind, vorerst auf der Strecke bleiben. „Wir tun unser Bestes, aber man kommt kaum hinterher“, sagt der stellvertretende Amtsleiter Heinz Biedermann. Erschwert wird die Situation durch die Tatsache, dass viele Mitarbeiter der beauftragten Tiefbaufirmen zwischen Weihnachten und Neujahr im Urlaub und alle Heißasphaltwerke geschlossen sind. Der nun zum Einsatz kommende Kaltasphalt halte oft keine 24 Stunden, so Biedermann.

„Sperrungen sind besonders dann nötig, wenn Schnee und Eis noch keine Reparatur zulassen“, sagt Ordnungsstadtrat Peter Beckers (SPD) aus Friedrichshain-Kreuzberg. Der Straßenzustand im Bezirk sei allgemein schlecht, eine Neuauflage des Schlagloch-Sanierungsprogrammes durch den Senat wünschenswert.

„Nach jedem Wintereinbruch häuft sich die Zahl der Schlaglöcher“, sagt auch der Tiefbauamtsleiter von Steglitz-Zehlendorf, Martin Müller-Ettler. In Spandau hat sich eine spezielle, für die Meldung von Schlaglöchern eingerichtete E-Mailadresse bewährt und wird derzeit verstärkt genutzt. In Reinickendorf ist die Situation „nicht anders als in den Vorjahren“, so Baustadtrat Martin Lambert (CDU).

Nach Hochrechnung des ADAC müssten in den kommenden Jahren mindestens 450 Millionen Euro in die nachhaltige Sanierung des Straßennetzes investiert werden. Bis Ende Februar oder Anfang März werden demnach auch aus den bisher einfachen Haarrissen in den Fahrbahnen große Schlaglöcher geworden sein. Es sei dringend notwendig, die maroden Fahrbahnen abzufräsen und zu erneuern, sagt der Sprecher des Automobilclubs, Michael Pfalzgraf. Schließlich seien die Straßen der Hauptstadt auch „eine Visitenkarte Berlins für mögliche Investoren“.

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