WINTER IN BERLIN : Es schneit, es schneit, kommt alle aus dem Haus

Am Montag war’s glatt, heute soll es weiß werden. Anekdoten aus einer winterlichen Stadt.

KAMPFSCHLITTERER

Kurz vor halb zwei, kurz nach der letzten Schulstunde in Schöneberg. Ein Erstklässler brettert mit seinem Roller über den Gehweg der Crellestraße. Helm auf dem Kopf, Ellenbogen nach links, Ellenbogen nach rechts, dann ab durch die Mitte. Jeder Kampfradler muss klein anfangen. Sven Goldmann

GRUPPENTHERAPIE

Seit die U8 zwischen Boddinstraße und Hermannstraße in baubedingte Zwangspause gegangen ist, weiß ich: Die göttliche Komödie ist von Erlebnissen im Schienenersatzverkehr inspiriert. Allein der Weg zur Bushaltestelle gestaltet sich bei Blitzeis als Fest für den Gleichgewichtssinn. Was folgt, ist die Erkenntnis: „Richtiges Schuhwerk“ ist eine Erfindung meiner Mutter, die in der Praxis zu nichts nütze ist. Das erkennen dann auch die anderen Rudeltiere. Und so zwängt man sich in den ohnehin schon über die Grenzen des guten Geschmacks gefüllten Bus. Ein olfaktorischer Spaß für Groß und Klein. Mit Glatteis wird so aus dem alltäglichen Gruppenkuscheln eine Therapiesitzung für Klaustrophobiker und Misanthropen.Katharina Langbehn

IM WINTERURLAUB

Dicke Socken an, Handschuhe übergestreift, und dann – klick – in die Bindung. Wintersporturlaub in Berlin, das geht! Selbst wenn es schon dunkel ist, denn der Schnee erleuchtet den Weg hell. Auf Langlaufskiern übers Tempelhofer Flugfeld gleiten, frische Luft in der Nase, der Blick schweift bis zum Horizont, aller Stress fällt von einem ab. So unter Langläufern grüßt man hier freundlich. Einmal hat der Senat schon offiziell Loipen gespurt. Oder gleich das Snowboard anschnallen und den Hügel im Kreuzberger Viktoriapark runterkurven! Besser als nichts, Alpen-Vorgeschmack. Rote Wangen im Berliner Winterglück. Annette Kögel

ALLES NOCH DRAN

Dem Stürmer ein paar Meter hinterhersprinten und den Ball abwehren – kein Problem. Ein paar Meter zum Bus laufen – schwierig. Denn das dünne Eis bringt selbst Fußballer und mich als Tagesspiegel-Praktikanten auf dem Weg zu einem Recherchetermin am S-Bahnhof Anhalter Bahnhof zu Fall. Bautz. Wenigstens Verletzungen wurden erfolgreich abgewehrt. Und mein Fußballplatz war aus Sicherheitsgründen gesperrt. Moritz Lang

WEG DAMIT

In den Ferien und auf dem Land mag ich alles am Schnee, das Knirschen, das Weiß unter dampfendem Atem. In der Stadt, in der Eile des Alltags, ist mir am liebsten: die Schmelze.Elisabeth Binder

ZU KALT, ZU SCHWER

Schnee? Schnee ist überflüssig, ärgerlich, nutzlos. Das fängt schon mit seiner Temperatur an. Schnee ist kalt. Und er ist schwer. Besonders dann, wenn es von der Haustür bis zum Bürgersteig rund 40 Meter sind, die – so verlangen es ja Nachbarschaft, kommunale Ordnungsvorschriften und zufällige Passanten – bis spätestens 7 Uhr morgens freigeschaufelt gehören. Ich schaffe das nie. Schnee ist echt kein Zustand.Lutz Haverkamp

AB ZUM ARZT

„Bin wohl heute etwas zu beschwingt aus dem Parteivorstand gekommen und deshalb jetzt Blitzeis-Opfer. Wird aber wieder, sagt mein Orthopäde.“

Jan Stöß, SPD-Landeschef, berichtete via Twitter

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