Berlin : Winter-Wunderland Berlin

Besonders in der kalten Jahreszeit will die Stadt Touristen locken. Mit Werbung weltweit und einem Sechsjahresplan

Lothar Heinke

„Berlin hat große Potenziale, um Touristen aus aller Welt glücklich zu machen“, sagt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und spricht in diesem Zusammenhang von der „Notwendigkeit, die Stadt noch anziehender zu machen, ja, sie für die Touristen zu inszenieren“. Die Regisseure des Stücks „Magnetisches Berlin“ sind neben Klaus Wowereit Wirtschaftssenator Harald Wolf, Berlin-Tourismus-Marketing-Chef Hanns Peter Nerger und der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Jean K. van Daalen. Sie erläuterten gestern ein 20 Seiten langes „Tourismuskonzept für die Hauptstadtregion Berlin“. Ziel dieser Bestandsaufnahme und Anleitung zum Handeln: Bis 2010 soll die Zahl der jährlichen Übernachtungen von 11,3 Millionen (2003) auf 15 Millionen gesteigert werden.

Bei der Suche nach Möglichkeiten, Touristen nach Berlin zu locken, beschloss man, im „Winterloch“ mit einem Millionenaufwand um Shopping- und Kulturtouristen zu werben. Drei Millionen Euro spendiert der Senat, zwei kommen aus der Tourismusbranche. Mit diesen fünf Millionen soll „WinterMagic Berlin“ europaweit und der „WinterZauber“ bis in den kleinsten deutschen Winkel bekannt gemacht werden. Der Zauber präsentiert von Oktober 2004 bis zum Januar 2005 über 50 Weihnachtsmärkte, Extra-Shopping, das Silvesterspektakel, aber auch noch mehr Kultur. Von dieser größten touristischen Marketingkampagne einer Stadt in Deutschland versprechen sich die Werbestrategen 25 Millionen zusätzliche Steuereinnahmen, und die Hotels knobeln schon jetzt an einem Paketangebot mit zwei Übernachtungen ab 89 Euro pro Person.

Die Zahlen, mit denen sich die Tourismusbranche seit Jahren schmückt, bekommen durch das Konzept nun endlich auch ihren offiziellen Segen: Im Städtetourismus ist Berlin die Nummer 1 in Deutschland, europaweit liegt sie auf dem dritten Platz hinter London und Paris. Der durch den Tourismus ausgelöste Brutto-Umsatz lag im vorigen Jahr knapp über fünf Milliarden Euro (1998: 3,95), fast 150 000 Beschäftigte leben vom Tourismus, der der Stadt durch Mehrwert-, Unternehmens- und Einkommenssteuer jährlich fast 600 Millionen Euro in die Kasse spült. „Eine der verlässlich tragenden Säulen im Wirtschaftsgefüge Berlins“ nennt der Regierende Bürgermeister den Tourismus, „wir sind gut, aber wir müssen noch besser werden“. Stärken der Stadt seien ihre Dynamik und ständige Veränderung, das Kulturangebot und die wachsende Zahl von Messen und Kongressen. Gelobt wird der Nahverkehr und die hochklassige, preiswerte Hotellerie. Zu den Defiziten zählt das Konzept die mangelhafte Anbindung an den internationalen Flugverkehr und das Fehlen eines Kultur-Marketings, es empfiehlt mehr Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur, also mehr Sicherheit, Sauberkeit und Stadtbildpflege sowie die „Förderung des Tourismusklimas und -bewusstseins und der Gastfreundlichkeit der Berliner Bevölkerung“. Das Produkt Berlin steht quasi auf drei Säulen: Die Stadt ist eine internationale Metropole, sie ist das Zentrum der Region, interessant für Tagesausflügler und Kurzreisende, und schließlich Deutschlands Hauptstadt. Und hier haben die mittlerweile 70 000 Hotelbetten Chancen, besser als bisher belegt zu werden: 30 Prozent aller erwachsenen Deutschen waren noch nie in Berlin.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar