Winterdienst : Der Dreck bleibt liegen

BSR und Hilfskräfte räumen Haltestellen und Gullys. Splitt gibt es weiter gratis, weil es nachts frieren soll.

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Berlin taut auf. Doch statt Schnee und Eis nerven nun Pfützen und Schmutz. -Foto: dpa

Die vier bis fünf Grad am Mittag fühlen sich fast tropisch an, doch in die Freude über das Dahinschmelzen der rutschigen Schnee- und Eishügel mischt sich erstes Unbehagen über den Schmutz, der darunter zum Vorschein kommt. Sonne und Plusgrade bringen an den Tag, das seit Ende des letzten Jahres alles nur zugedeckt, aber nichts mehr weggeräumt wurde. Zu Papierschlangen und Feuerwerksresten gesellen sich Tonnen von Splitt – und der ganze Dreck wird erst einmal liegen bleiben.

Das kündigt jedenfalls die Sprecherin der Berliner Stadtreinigung, Sabine Thümler, an. „In den nächsten Nächten müssen wir weiter mit Minusgraden und überfrierender Nässe rechnen“, sagt sie: „Da wird es auch richtig glatt und deshalb wäre es widersinnig, den Splitt schon von Straßen und Gehwegen zu entfernen.“

Wegen des allnächtlich drohenden Glatteises verlängert die BSR nicht nur ihre Gratis-Splitt-Aktion bis kommenden Freitag, sondern hat auch – selbst mit den inzwischen nahezu eineinhalbtausend zusätzlichen Hilfskräften – genug zu tun, um die Stadt erst einmal von Schnee und Eis zu befreien. Dabei liegt das Hauptaugenmerk, so Thümler, auf Haltestellen, Gehwegen und auf den rund 190 000 Gullys in Berlin: Sie müssen tagsüber das Schmelzwasser aufnehmen, sonst drohen Überschwemmungen, weshalb die BSR auch an Privatleute appelliert, den Gully vor der Haustür im Zweifel selbst freizulegen.

Manchen geht das alles viel zu langsam. „Der Senat ist in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass Berlin endlich eisfrei wird“, sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, Ramona Pop. Sie kritisiert, dass von tausenden Arbeitslosen, die sich zum Winterdienst meldeten, nur 650 eingesetzt werden. Senatssprecher Richard Meng hatte im Tagesspiegel gesagt, dass der Einsatz von noch mehr Helfern am Geld nicht scheitern werde, wenn die BSR das organisieren könne. Hier werde nur „die Verantwortung hin und hergeschoben“, sagt Pop: „Es gibt genug Geld, es gibt genug Arbeit, es gibt genug Leute. Da kann es ja nicht sein, dass es daran scheitert, dass die Arbeit nicht verteilt werden kann.“

BSR-Sprecherin Sabine Thümler hält dagegen: „Wenn wir so viele Angestellte und Fahrzeuge hätten, um noch mehr als eineinhalbtausend zusätzliche Kräfte logistisch zu betreuen und auszurüsten, wären wir ein ineffektives Unternehmen“, sagt sie. Schließlich müssten mit jedem Trupp Hilfskräfte auch eigene Leute mitgehen, täglich müssten Arbeitsverträge geschlossen, Meldungen an Ämter abgesetzt, Fahrzeuge bereitgestellt und Einsätze sinnvoll geplant werden.

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Auch Senatssprecher Meng weist die Kritik der Grünen zurück. Mehr könne die BSR derzeit nicht machen, sagt er. Und verweist auf den am Montag tagenden Verkehrsausschuss, wo Konsequenzen aus dem „Super-Winter“ zur Diskussion stehen. So soll das Straßenreinigungsgesetz geändert werden. Bisher schrieb es vor, dass Schnee auf Gehwegen unverzüglich zu „bekämpfen“ ist. Weil das viele mit Streuen gleichsetzten und die Schneeberge dadurch immer höher wurden, soll es künftig heißen, der Schnee sei unverzüglich zu „beseitigen“. Sandra Dassler

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