Berlin : Wintermäntel kosten die Hälfte, Schlitten kommen ins Lager

KATJA FÜCHSEL

Wegen der Frühlingstemperaturen senken die meisten Händler die Preise deutlichVON KATJA FÜCHSEL BERLIN.Während sich die einen derzeit über die frühlingshaften Temperaturen freuen, haben viele Händler in Berlin unter dem diesjährigen Winter zu leiden: "Das Wintergeschäft in der ganzen Stadt läuft katastrophal", sagt Nils Busch-Petersen vom Gesamtverband des Einzelhandels.Die Kaufhäuser bleiben auf ihren Schlittschuhen, Mützen und gefütterten Mänteln sitzen.In den Lagerhallen stapeln sich die Briketts und auf den Tankstellen die Batterien, Eiskratzer und Frostschutzmittel. Profitieren dürften von den Umsatzausfällen der Berliner Händler vor allem die Käufer."Die Händler reagieren mit sogenannten Sonderangebotsstrategien auf den fehlenden Umsatz", sagt Busch-Petersen.Und so hat der Winterschlußverkauf in Berlin in diesem Jahr inoffiziell noch früher als in den Vorjahren begonnen. Im Kaufhof am Alexanderplatz reagierte man beispielsweise schon vor Tagen auf den milden Winter."Die Waren wurden um 30 bis 50 Prozent, teilweise sogar um 60 Prozent herabgesetzt", sagt die Kaufhof-Geschäftsführerin Petula Hassert.Die Sonderangebote ziehen sich wie in den meisten anderen Kaufhäusern der Stadt durch fast alle Etagen: Man findet sie in der Herren-, Damen- und Kinderbekleidung, in der Schuhabteilung und in der Sportecke.Beim Autozubehör bleibt jedoch alles beim alten.Denn da Frostschutzmittel im Gegensatz zur Kleidung weder ein Verfallsdatum tragen noch den Schwankungen der Mode unterliegen, wandern diese Artikel bis zum nächsten Jahr ins Lager. Das gilt auch für die Klassiker wie beispielsweise Schlittschuhe und Schlitten: "Weiße Schlittschuhe sind auch im nächsten Winter noch weiß", sagt Frank Kretzschmar von Sport-Karstadt am Bahnhof Zoo.Doch gerade beim Eislauf hat man hier kräftige Einbußen hinnehmen müssen."Letztes Jahr haben wir an einem einzigen Tag teilweise für 60 000 oder 70 000 Mark Schlittschuhe verkauft", sagt der Geschäftsführer der Filiale."Das fehlt uns jetzt in der Kasse." Doch wie gesagt: Alles, was den Schwankungen des Geschmacks unterliegt - dazu gehören im Karstadt-Sporthaus auch Skier, Snowboards und Bindungen - ist bereits reduziert und wird spätestens zum Winterschlußverkauf am 26.Januar noch einmal herabgesetzt.Die "deutlichen Umsatzverluste" werden in der Sportbranche allerdings zum Teil durch das warme Wetter auch wieder kompensiert."Wir machen jetzt beispielsweise bei den Sportarten Jogging und Inlineskating bessere Umsätze als im vergangenen Winter", sagt Frank Kretzschmar. Härter trifft es die Kohlen- und Heizölhändler der Stadt: "Eigentlich haben wir derzeit gar kein Geschäft", heißt es beispielsweise beim Kohlenlieferanten Baumanns in Tiergarten.Hier rechnet man mit einer Umsatzeinbuße von etwa 60 Prozent in diesem Winter."Wenn es nicht noch einmal kälter wird, wird es einige Betriebe in der Branche erwischen." Auf witterungsbedingte Sonderangebote setzen die meisten Kohlenhändler aber ebensowenig wie die Tankstellen, die in diesem Jahr auf ihren Eiskratzern und Batterien sitzenbleiben."Das ist das katastrophalste Wintergeschäft seit Jahren", sagt Leonhard Baumann am Steglitzer Damm.Probleme, die Ladenhüter zu lagern, hat der Agip-Tankstellenpächter nicht."Wir können täglich bestellen." Große Hoffnungen auf klirrende Kälte und klingende Kassen können die Meteorologen den Händlern derzeit nicht machen."In den nächsten zehn Tagen ist kein richtiges Winterwetter in Aussicht", sagt Lars Hattwig vom privaten Wetterdienst Meteofax.Am kommenden Wochenende wird die naßkalte Nordseeluft in Berlin voraussichtlich zunächst einmal für ein ziemliches Schmuddelwetter sorgen: Mit Temperaturen um fünf Grad, dichten Wolken und Regen.

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