Winterprobleme : Frost bringt S-Bahnkunden weiter Frust

Das veraltete mechanische Signalsystem mit Vereisungsgefahr wird erst 2017 auf eine neue elektronische Technik umgestellt sein. Die derzeitige Sicherungstechnik stammt noch aus der Anfangszeit des elektrischen Betriebs der S-Bahn in den 20er Jahren.

Klaus Kurpjuweit

S-Bahn-Fahrgäste müssen auch in Zukunft damit rechnen, dass es bei Minustemperaturen erhebliche Verspätungen und Zugausfälle gibt. Das veraltete Signalsystem, das an den Frosttagen Anfang des Jahres oft wegen Vereisung ausgefallen war, soll erst 2017 auf eine neue Technik umgestellt sein. 133 Millionen Euro müssen nach derzeitigem Stand dafür investiert werden.

Ursprünglich sollte mit dem Umbau bereits im vergangenen Jahr begonnen werden. Die Finanzierung durch die Bahn und den Bund sei gesichert, heißt es jetzt bei der S-Bahn; nur die Abstimmung mit dem aufsichtsführenden Eisenbahn-Bundesamt sei noch nicht abgeschlossen. Der für die Signale zuständige Bereich Netz der Bahn hofft, mit den ersten Tests Ende 2009 beginnen zu können. Die Umstellung auf ein elektronisches System, das auch die Sicherheit verbessert, dauert dann acht Jahre.

So lange muss man weiter auf den nicht umgestellten Strecken mit Frostproblemen rechnen. Die derzeitige Sicherungstechnik stammt noch aus der Anfangszeit des elektrischen Betriebs der S-Bahn in den 20er Jahren. Zeigt ein Signal Rot, klappt am Signal ein Riegel Richtung Gleis, das durch einen Kontakt am Zug das Fahrzeug stoppt, wenn der Triebwagenführer nicht hält. Beim letzten starken Frost waren die Anlagen häufig vereist, so dass die Riegel auch bei Grün nicht zurückklappten. Dann musste das Sicherungssystem außer Betrieb genommen werden. In diesem Fall dürfen die Züge dann nur mit 40 km/h und nachts sogar nur 15 km/h fahren, wenn keine zweite Person im Führerstand die Signale mitbeachtet. Zeitweise waren bis zu 119 dieser „mechanischen Fahrsperren“ an den Signalen ausgefallen. Vorhanden sind 1975.

Insider weisen darauf hin, dass diese Anlagen seit über 80 Jahren auch im Winter funktioniert hätten. Früher habe man aber auch das Personal gehabt, die Fahrsperren zu pflegen und durch Einschmieren mit Fett winterfest zu machen. Heute fehle dafür das Personal. Ein Bahnsprecher wies die Vorwürfe zurück. Störungen in dieser Zahl seien erstmals aufgetreten. Jetzt untersuche man, wie man sich besser auf Frost vorbereiten könne. Das „Gegenstück“ zu den Signal-Fahrsperren an den Zügen, das ebenfalls häufig eingefroren war, will die S-Bahn durch bauliche Änderungen frostsicher machen.

Zwei Jahre wird es auch noch dauern, bis die Züge wieder mit Tempo 100 fahren dürfen. Dann können sie Verspätungen leichter aufholen. Nach einem Auffahrunfall 2006 war die Geschwindigkeit auf 80 km/h reduziert worden. Nun müssen die Fahrzeuge umgebaut werden. Die Abstimmungen mit den Herstellern seien jetzt abgeschlossen, sagte S-Bahn-Geschäftsführer Ulrich Thon, so dass die Arbeiten beginnen könnten.

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