Berlin : Winterschlussverkauf: Laue Lüfte, flauer Start

Tanja Buntrock

Milde Temperaturen, lauer Wind - ein Hauch von Frühling: Die Händler hätten sich einen kälteren Start zum Winterschlussverkauf (WSV) gewünscht. So blieb gestern eine ganze Menge gängige Winterbekleidung liegen. Kein Bedarf an Schals, Mützen und Handschuhen, wenn sich der Winter scheinbar verabschiedet. Doch obwohl der WSV eher verhalten anlief, waren die Händler zufrieden. Sie lockten die Verbraucher mit bis zu 70 Prozent Preisnachlässen an die Wühltische. Außerdem warben erstmals einige Kaufhäuser in Zeitungen mit Rabattmarken für zusätzliche Preisnachlässe auf bereits reduzierte Ware. Das befürchtete Chaos an den Kassen blieb dennoch aus. Der Winterschlussverkauf läuft noch bis zum 9. Februar.

"Erst um die Mittagszeit wurde es bei uns richtig voll", sagt die Sprecherin des KaDeWe, Dagmar Flade. Der verhaltene Andrang liegt aus ihrer Sicht daran, dass den Kunden im KaDeWe schon im November und Dezember stark reduzierte Preise angeboten wurden. "Wir brauchen den WSV dennoch, denn wir müssen unsere Lager räumen für die Frühjahrskollektionen." Allerdings stellt sich Dagmar Flade die Frage, "ob es nicht besser wäre, "wenn der Winterschlussverkauf ein paar Wochen früher begonnen hätte". Winterliche Kälte sei nun mal die beste Voraussetzung. So scharten sich die Kunden im KaDeWe vor allem um die Tische im Sonderverkaufsbereich im Erdgeschoss. Hier zählen Marken-Ledertaschen für Damen, Strumpfhosen und Unterwäsche zu den begehrtesten Artikeln.

Seit acht Uhr sind Angelika Kutzner, 48, und Inge Seel, 69, unterwegs. Sie sind extra aus Potsdam nach Berlin gefahren, um sich im KaDeWe mit Sonderangeboten einzudecken.

Obwohl sie sich nach mehreren Kaufrausch-Stunden erschöpft fühlen, hat es sich für beide gelohnt: Mit Marken-Ledertaschen zum halben Preis, günstigen Strümpfen, Blusen und Halstüchern ziehen sie heim.

Weniger auf der Jagd nach Sonderangeboten waren die Kunden dagegen in der Abteilung "Damen-Acessoires". Für Pelzmäntel, Handschuhe und Wollmützen interessierten sich nur wenige. "Temperaturen um die 15 Grad sind für unsere Abteilung gar nicht gut, es läuft wirklich nicht doll", gesteht die stellvertretende Abteilungsleiterin Angelika Fink.

Hilmar Rudolph kann indes nicht klagen: "Bis um 14 Uhr habe ich schon 280 Wintermäntel verkauft", sagt er. Seine KaDeWe-Abteilung ist gut gefüllt, "regelrechtes Gedränge" gibt es nach seiner Erfahrung sowieso nur bei den ganz stark reduzierten Artikeln. Rabatt durch Coupons bietet das KaDeWe nicht an. "Unsere Preise sind auch so stark reduziert, zudem gibt es ohnehin schon einen Preisnachlass, wenn der Verbraucher seine Kundenkarte vorlegt", sagt Dagmar Flade.

Mit zusätzlichen "Frühaufsteher-Rabatten" von zehn Prozent auf schon reduzierte Artikel in der Zeit von acht bis zehn Uhr lockten die Verkäufer der Kaufhof-Filialen die Kunden am frühen Morgen. "Natürlich wären uns zehn Grad weniger draußen lieber gewesen", sagt der Geschäftsführer vom Kaufhof am Alexanderplatz, Detlef Steffens, "nun schaut kein Mensch mehr nach unseren warmen Sachen." Doch Jacken, Blazer und Mäntel verkauften sich gut - "da haben die Leute auch noch in den nächsten Jahren etwas davon."

"Zusatz-Rabatt auf reduzierte Ware", tönt es auch immer wieder durch die Lautsprecher bei Wertheim am Kurfürstendamm. Das Kaufhaus hatte schon vor Tagen mit Rabatt-Coupons (zwischen 20 und 50 Prozent) zum Ausschneiden in Zeitung geworben. Ein pfiffiger Werbegag. Aber die Kunden mussten die Schnipsel gestern gar nicht an der Kasse vorzuzeigen.

"Den Rabatt erhalten sie automatisch", erklärt Geschäftsführer Volker Pesarese. Mit der Rabatt-Aktion habe man den Wetterrückschlag abgefangen.

So deckten sich bei Wertheim, wie Verkäuferinnen berichten, manche Kunden bergeweise mit Pullovern ein: "Jede hatte bestimmt zehn Tüten in der Hand." Mit dem Zusatz-Rabatt kosteten die Marken-Pullover nur noch 20 Euro das Stück.

Einen chaotischen Ansturm mit Kunden, die sich an den Verkaufstischen prügelten, habe es aber in keinem der großen Berliner Kaufhäuser gegeben, berichten die Sprecher.

Froh sind die Sportartikel-Händler. Denn am 1. Februar beginnen in Berlin die Winterferien. "Gott sei Dank", sagt der Geschäftsführer von Karstadt-Sport, Gregor Esser. So müsse er keinen Einbruch wegen des milden Wetters befürchten. "Viele Berliner fahren in den Winterurlaub und brauchen deshalb Skier und sonstige Winterausstattungen."

Einen Vergleich zum Vorjahr kann Gregor Esser zwar noch nicht ziehen - doch alles, was fürs Schneeergnügen nötig ist "wird gut verkauft."

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