Berlin : Winterschlussverkauf: Wintersachen nützen doch eigentlich immer

bm

Jedes Jahr zwei Mal die gleiche Frage: Warum stellt sich der Handel nicht einfach mal weniger Zeug ins Lager und erspart uns den Stress mit dem Schlussverkauf? Nun haben wir unverhofft Vorfrühling, und kein Mensch kauft mehr Winterartikel. Ein großer Fehler! Nie waren Wintersachen so wichtig wie jetzt.

Zum Beispiel Ohrenschützer: Wenn das letzte Eis die Oder hinuntergeschwommen, der letzte Schnee getaut, das letzte Granulat von der Straße gefegt ist, dann werden wir merken, dass man die Dinger auch im Sommer benutzen kann. Etwa, um sich akustisch vom Wahlkampfgetöse abzuschotten. Mollige Daunenjacken und Webpelze sind von zeitlosem Nutzen für all jene, die im ewig klammen Berlin verantwortlich Kulturpolitik machen müssen, denn sie sollten sich warm anziehen.

Für engagierte Metaller, wie wir sie vor allem aus den großen Tarifkommissionen kennen, empfiehlt sich dagegen ein rascher Gang in die Sportabteilung gut sortierter Kaufhäuser: Wenn im März die Friedenspflicht endet, wird mit den Arbeitgebern Schlitten gefahren; ein stabiler Zweisitzer zum Schnäppchenpreis entlastet die Streikkassen und verbessert die Verhandlungsposition - er kann sogar in einem eventuell anstehenden heißen Herbst weiter verwendet werden.

Ein leistungsfähiger Heizlüfter dagegen ist unersetzlich, wenn es darum geht, in TV-Runden und Pressekonferenzen möglichst viel warme Luft zu verbreiten. Dicht gestrickte Pudelmützen, nachträglich mit zwei Löchern für die Augen versehen, könnten unseren Verfassungsschützern beim besseren Tarnen ihrer V-Leute helfen; steigen die Gemüsepreise so weiter wie in den letzten Wochen, werden wir die Mützen auch für den bargeldlosen Einkauf von Gurken und Paprikaschoten brauchen.

Die nahe liegende Anschaffung von Schneekanonen für diesen Zweck freilich sollte wohl erwogen werden, denn die sind unhandlich und in der Regel auf einen Stromanschluss angewiesen. Wer jetzt einen Skilift zum Selbstbau kauft, beweist dagegen Weitsicht. Denn im Herbst kommen die Bayern; sie können in Preußen nicht ohne überwintern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar