Wintersportler in Berlin : Sotschi, war da was?

Zwei Wochen nach der olympischen Schlussfeier denkt kaum noch einer an die Wettkämpfe. In Berlin zumal, das keine Medaillenhelden feiern konnte. Dabei bräuchten hiesige Wintersportler genau jetzt Aufmerksamkeit.

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Fast ein Held. Der Berliner Eisschnellläufer Samuel Schwarz wurde in Sotschi Fünfter über die 1000 Meter.
Fast ein Held. Der Berliner Eisschnellläufer Samuel Schwarz wurde in Sotschi Fünfter über die 1000 Meter.Foto: dpa

Es sind ungewohnte Momente für die Spitzensportler, wenn die Vorboten des öffentlichen Interesses in den olympischen Stadien um Zitate rangeln. Manche Absperrung kippt um, wenn Eisschnellläufer X oder Eiskunstläufer Y sich erklären darf. Aufgeregte Betreuer versuchen dann, die ungeduldigen Horden zu zähmen: „Nicht so hastig, kommt jeder dran“, oder „drängelt nicht, denkt an eure Gesundheit“. Macht aber kaum ein Kollege, schließlich werden die Einschaltquoten für Wintersport in Millionen gemessen, müssen die Zeitungen mit Nordischer Kombination und Curling vollgeklatscht werden – wenn Olympische Spiele sind. Wenn Olympiade ist, der fast vier Jahre lange Zeitraum zwischen den Spielen, dann ist das Gegenteil der Fall. Da freut sich fast jeder Nichtprofifußballer über einen Anruf.

Und damit nach Berlin: Vor Sotschi wurde ich vom besten hiesigen Eisschnellläufer gefragt, wann ich denn Zeit habe für ein Interview. Der Mann ist zwei Wochen später um zwei Plätze an Bronze vorbeigeschrammt. Für eine Sekunde stand er mit dieser fantastischen sportlichen Leistung im Rampenlicht. Doch Olympia ist schon wieder lange vorbei, und sicher weiß der Normalbürger nicht mehr, wer, abgesehen von Rodelchef Felix Loch und Skiheldin Maria Höfl-Riesch, Medaillen geholt hat für den nationalen Stolz. Aus Berlin war keiner dabei, da ist dieser Tage maximal die schön gescheiterte Claudia Pechstein für einen Halbsatz gut.

Aber auch sie darf längst wieder unbehelligt ihre Runden auf dem Eis im Sportforum Hohenschönhausen drehen. Wer keine Fußballschuhe trägt, ohne Rennwagen lärmt oder sich im Tennis nicht mindestens ins Wimbledon-Finale schlägt, existiert in Deutschland nur 16 olympische Tage lang. Sonst muss sie oder er Weltcups oder nationale Meisterschaften meist bei freiem Eintritt Freunden und Verwandten anbieten.

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