Berlin : Wir dürfen hier nicht rein

Auf dem Traveplatz in Friedrichshain müssen Vierbeiner bald draußen bleiben. Pro und Contra: Sollen alle Parks für Hunde gesperrt werden?

Sigrid Kneist

Vom kommenden Frühjahr an wird der Traveplatz in Friedrichshain voraussichtlich für Hunde gesperrt werden. Auf einer Anwohnerversammlung in dieser Woche sprach sich jetzt die Mehrheit der Anwesenden dafür aus. Baustadtrat Franz Schulz will in den Gremien des Bezirks durchsetzen, dass in einigen Monaten Hunde in der kleinen Grünanlage nichts mehr zu suchen haben. Eine Elterninitiative war aktiv geworden, weil Familien mit ihren Kindern nur die kleine Fläche des dortigen Spielplatzes nutzen konnten, während sich auf dem angrenzenden Rasen einige Hunde austobten. Ebenfalls im kommenden Jahr will Schulz den inneren Bereich des Boxhagener Platzes zur hundefreien Zone erklären. Dies soll im Zuge der Umgestaltung des gesamten Platzes geschehen. Hunde dürfen dann dort nur noch auf dem äußeren Promenadenweg ausgeführt werden. Auch beim Forckenbeckplatz an der Eldenaer Straße hatte Schulz ein Verbot durchsetzen wollen, davon aber nach Protesten abgesehen. Einen hundefreien Park gibt es derzeit in Neukölln: Im Körnerpark dürfen die Vierbeiner nicht mehr rumtoben. Und auch auf dem Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg haben sie Platzverbot. Hundefrei ist seit jeher der privat betriebene Britzer Garten, das Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau.

Hunde generell aus den städtischen Parks zu verbannen, davon hält der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg nichts. „Dann müsste man auch Auslaufgebiete anbieten“, sagt Schulz. Beispielsweise könne man Hunde nicht aus einer stark frequentierten, großen Anlage wie dem Görlitzer Park vertreiben: „Da gibt es keine Ausweichmöglichkeiten.“ Er setzt darauf, dass künftig die Mitarbeiter der neuen bezirklichen Ordnungsämter Leinenzwang und die Beseitigung von Hundekot durchsetzen und dadurch viele Konflikte entschärft werden können. „Dadurch wird der Park für manche Hundebesitzer sowieso unattraktiver“, sagt Schulz.

Auf die Ordnungsämter setzt auch die Verwaltung von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder. Hundehalter, die sich nicht an die Regelungen hielten, müssten eben die Konsequenzen spüren. Die Mitarbeiter der Ordnungsämter seien künftig berechtigt, Bußgelder zu erheben. „Ein reines Verbot in den Parks bringt aber nichts“, sagt Strieders Sprecherin Petra Reetz. Es sei auch anders möglich, „ein zivilisiertes Miteinander von Hundebesitzern und Familien“ hinzubekommen. Demgegenüber können sich Politiker der meisten Fraktionen vorstellen, die Tiere von bestimmten kleineren Grünanlagen fern zu halten. Aber sie stellen eine Bedingung: „Dann muss es auch mehr Auslaufgebiete in der Stadt geben“, heißt es übereinstimmend bei Bündnis 90/Grüne, PDS, CDU und FDP. Allerdings halten die Abgeordneten es für wichtiger, dass Verstöße der Hundebesitzer flächendeckend geahndet werden. Darauf hofft auch Nadia Rouhani, die Ende der neunziger Jahre in Charlottenburg gemeinsam mit anderen Eltern einen medienwirksamen Protest gegen Hunde und ihre Hinterlassenschaften am Lietzensee organisierte. Die Aktionen blieben ihrer Ansicht nach relativ folgenlos: „Die Bereitschaft der Bezirksämter zu Sanktionen fehlte.“ Sollten diese jetzt wirklich durchgesetzt werden, sei dies ein großer Erfolg.

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