Berlin : Wir Fußvolk

Stephan Wiehler

Freie Fahrt für Fifa-Funktionäre! Im nächsten Sommer sind die Straßen Berlins für König Fußball reserviert – und wir, liebe Sportsfreunde, sind das Fußvolk. Was genau das bedeutet, hat Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer gestern erklärt. Sie empfiehlt den Berlinern „Enthaltsamkeit“ bei der Benutzung des eigenen Autos.

Festes und bequemes Schuhwerk ist also gefragt für lange Fußwege, falls wir uns nicht lieber in überfüllte U-Bahnen und Busse quetschen wollen. Was hat der Berliner auch im Auto zu sitzen und den Verkehr aufzuhalten. Wenn die Welt zu Gast bei Freunden ist, haben die wirklich wichtigen Leute selbstverständlich Vorfahrt, und wir stehen mit Winkelementen am Straßenrand, um sie gebührend willkommen zu heißen.

Der Aufruf zum Autoverzicht hat auch den Vorteil, dass auf den Straßen genügend Platz ist für Fanparks, Liebesersatzparaden und Baustellen, die nicht rechtzeitig fertig werden. Und, seien wir ehrlich, nach der Streichung der Entfernungspauschale durch die große Koalition wollten wir sowieso öfter zu Fuß gehen. Da wirkt der Appell zum Dauerparken nur als eine zusätzliche sportliche Motivation. Danke, Frau Senatorin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar