Berlin : Wir Gastarbeiter

Stephan Wiehler

begrüßt ausländische Firmengründer Schlechte Nachrichten verderben nicht nur die Laune, sie trüben auch den Blick. Denken Sie an die Ausländer in unserer Stadt. Viel zu oft kommen sie in Polizeiberichten vor: als jugendliche Serienstraftäter, als Problemkinder mit bruchstückhaften Deutschkenntnissen, als Machos, unmündige Kopftuchträgerinnen oder Hassprediger – Wesen aus der Parallelgesellschaft.

Das macht geradezu süchtig nach einer guten Nachricht. Und die kommt von der Industrie- und Handelskammer. Mehr als jedes zehnte Unternehmen in Berlin, vermeldet die IHK, ist inzwischen in ausländischer Hand. Ja, richtig gehört: Das ist eine gute Nachricht! Besonders Polen kommen als Firmengründer in die Stadt, 1300 Unternehmen und Geschäfte führen sie hier mittlerweile. Die größte Gruppe ausländischer Unternehmer stellen die Türken mit 5100 Firmen, das sind 1000 mehr als im Jahr 2003. Berlin wird immer internationaler. Und davon profitieren auch deutsche Arbeitnehmer. Wer morgens als Erstes von einem türkischen Chef zusammengefaltet wird, mag sich vielleicht zuweilen im eigenen Land als Gastarbeiter fühlen. Aber auch das muss ja keine schlechte Erfahrung sein. Hauptsache, es gibt Arbeit.

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