Berlin : Wir Kamele

Andreas Conrad

bewundert den Eigensinn moderner Elefanten Man stelle sich vor, Hannibal wäre das passiert: Am Fuße der Alpen bleiben seine Elefanten stehen, glotzen entgeistert nach oben, recken die Rüssel trompetend zum Protest – und treten den Rückzug an. Die Weltgeschichte müsste umgeschrieben werden: Keine zähneklappernden Römer, kein „Hannibal ante portas!“, kein brennendes Karthago. Nun hängt von einer „Aida“-Aufführung wie der am Sonnabend in der Waldbühne weit weniger ab, auch wenn der Triumphmarsch uns anderes lehren will. Aber Respekt nötigt einem der Eigensinn des Dickhäuters doch ab, der partout nicht zur Bühne hinab wollte und den Einsatz eines Ersatzelefanten nötig machte. Denn solch ein Mut zur Individualität – können wir Menschen der Hartz-IV-Generation uns den noch leisten? Müssen wir nicht bei geringster Arbeitsverweigerung erwarten, dass man uns die abendliche Heu-Ration verweigert, den Wasserhahn zudreht und das Zeltdach überm Dickschädel wegzieht – ohne Aussicht, uns ersatzweise am Blattwerk der Waldbühne zu laben? Eher gleichen wir dem Kamel, das widerspruchslos tat, wie der Aida-Dompteur ihm befahl. Leider ohne Aussicht auf eine Doppelration Hafer.

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