• „Wir kleben nicht an dem Beschluss“ 8. Mai: CDU diskutierte mit Jüdischer Gemeinde

Berlin : „Wir kleben nicht an dem Beschluss“ 8. Mai: CDU diskutierte mit Jüdischer Gemeinde

Claudia Keller

Die CDU im Südwesten der Stadt gibt sich große Mühe, ihr Image zu polieren, das durch die Auseinandersetzung um den 8. Mai in den vergangenen Wochen ziemlich ramponiert worden ist. Der Abgeordnete Uwe Lehmann-Brauns lud am Donnerstagabend erneut zur Diskussion, in den Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf, dessen Anmutung einen in die Fünfzigerjahre katapultiert. Auf dem Podium sollten diesmal Daniel Göler, der Kreisvorsitzende der Jungen Union, Karl-Georg Wellmann, der Ortsverbandsvorsitzende von Dahlem, und Albert Meyer, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, über den 8. Mai diskutieren.

Meyer kam nicht, weil er einen anderen Termin hatte – und keinen Diskussionsbedarf. Er wolle abwarten, ob die Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf kommenden Mittwoch tatsächlich den umstrittenen Beschluss zum 8. Mai zurücknimmt. CDU und FDP hatten beschlossen, den 8. Mai nicht nur als Tag der Befreiung von der Naziherrschaft zu feiern, sondern auch der deutschen Opfer zu gedenken, die unter der Roten Armee gelitten haben. Statt Meyer saßen von der Jüdischen Gemeinde Isaak Behar, der Gemeindeälteste, und Artur Süßkind, der frühere Parlamentspräsident, auf dem Podium.

„Wir kleben nicht an dem Beschluss“, sagte Wellmann. Für ihn war die ganze Krise letztlich eine Sache von „Reflexen“: „Es gibt einen Reflex in der Öffentlichkeit, wenn das Gerücht aufkommt, in der CDU gäbe es eine Nähe zu Rechtsradikalen. Auch der Landesvorstand ist dem Reflex zum Opfer gefallen.“ Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass in den vergangenen Jahren „etwas passiert ist, das die Deutschen dazu drängt, am 8. Mai eben auch ihrer eigenen Opfer zu gedenken“.

Daniel Göler von der Jungen Union fragte: „Sollten wir nicht nach neuen Erinnerungsformen suchen, die auch diese Trauer über die eigenen Opfer mit einschließt? Gerade die junge Generation sucht nach neuen Formen des Gedenkens.“ „Es ist ein Spagat, den Sie erbringen wollen. Das ist fast nicht möglich“, sagte Isaak Behar, dessen Eltern von den Nazis in Auschwitz umgebracht wurden. Man könne nicht die Ermordeten und die deutschen Kriegsflüchtlinge gleichsetzen. Für die einen sei der 8. Mai da, für die anderen der Volkstrauertag. Jedem sei es privat ja unbenommen, sich am 8. Mai an die toten Verwandten zu erinnern. Viele der hundert Zuhörer applaudierten. Dass nicht alle jungen Leute nach neuen Erinnerungsformen suchen, stellte Cornelia Seibeld von der Jungen Union klar: „Wir sind zwar nicht schuldig, aber wir haben eine Verantwortung. Die nimmt man nicht wahr, wenn man den 8. Mai mit dem Gedenken an die eigenen Opfer vermischt.“ Außerdem denke man an die Toten in der eigenen Familie doch sowieso an anderen Tagen.

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