Berlin : „Wir lassen uns nicht erpressen“

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Der Verband der Berliner Ersatzkassen (VdAK) sucht nach Wegen, damit seine 1,3 Millionen Versicherten weiterhin kostenlos geimpft werden. Ingo Bach sprach mit dem Leiter der VdAKLandesvertretung, Karl-Heinz Resch, über die Kassenstrategie.

Wollen die Ersatzkassen die Kassenärztliche Vereinigung aushebeln?

Wenn sich die Kassenärztliche Vereinigung als unbeweglicher Dinosaurier darstellt, dann wird es Bewegung neben ihr und um sie herum gegeben. Wenn sie sich offen, beweglich und sozial sensibel zeigt, kann man auch mit ihr etwas hinbekommen. Doch nicht mit einer Erpresserhaltung, bei der der Hilfe suchende Patient offensichtlich keine Rolle spielt.

Sie haben mit einer Reihe von Ärzten Einzelverträge geschlossen – unter Umgehung der Kassenärztlichen Vereinigung. Welchen Erfolg hat diese Strategie?

Wir setzen weiter auf den Vorrang der niedergelassenen Ärzte. Denen haben wir Verträge angeboten zu sechs Euro für den Grippeschutz. Über 250 Ärzte haben unterschrieben – weitere machen im Sinne ihrer Patienten mit, impfen unsere Versicherten und rechnen einfach mit uns ab.

Machen Sie auch mit Kliniken Verträge?

Nicht nur mit Kliniken. Wir haben einen Vertrag abgeschlossen mit dem Impfdienst der Berufsgenossenschaften (B.A.D.). Er ist Europas größter Anbieter von Impfleistungen. Dessen Ärzte impfen für uns in den drei medizinischen Zentren der Berufsgenossenschaften in Berlin. Und sie impfen in den Geschäftsstellen der Ersatzkassen. Für uns war dies Neuland. Doch der Erfolg spricht für sich: Viele Versicherte nehmen dieses Serviceangebot wahr.

Und wie steht es mit den Krankenhäusern?

Zahlreiche Kliniken haben auf unsere Anfrage ihr Interesse bekundet. Mittlerweile ist ein Mustervertrag fertig. Wir haben vor, mit einer Reihe von Krankenhäusern flächendeckend über Berlin ab dem 1. November mit dem Durchimpfen zu beginnen.

Wieso verfolgen Sie diesen harten Kurs?

Unsere Versicherten sollen durch die sture Haltung der Kassenärztlichen Vereinigung Berln höhere Preise zahlen. Davor müssen wir sie schützen. Sie sollen für die gleiche Leistung, die die Betriebskrankenkassen mit 5,15 Euro und die AOK mit 5,50 Euro vergüten, jetzt 6,50 Euro zahlen. Das ist ungerecht. Wir haben sechs Euro angeboten, das muss reichen. Weiter gehen wir nicht. Schließlich zahlen wir bereits jetzt die höchsten Arzthonorare in dieser Stadt.

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