Berlin : Wir Saurier

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über

das Handy im Zeitalter der Anarchie

Wie man weiß, wurde der Personenkraftwagen zu Zeiten Fred Feuersteins erfunden. Die Frage aber, ob der gute Fred am Steuer seiner Steinwalze je ein Handy nutzte, ist nur nach langwierigen archäologischen Studien zu klären. Vermutlich tat er es nicht, Modelle aus Granitkeilen wie auch solche aus Saurierknochen entzogen sich durch Sperrigkeit einhändiger Bedienung. Aus gleichem Grund war das Telefonieren im Auto noch vor 15 Jahren fast unbekannt. Selbst Jahrtausende nach der Feuerstein-Zeit hatten Handys die Saurierknochenform behalten, das sah hinterm Steuer einfach albern aus. Dieses Problem ist behoben, Handys schrumpfen so schnell, dass man sie bald kaum noch sieht, aber ihre Nutzung bei gleichzeitigem Bedienen eines Kraftwagens ist seit einiger Zeit mit Buße belegt. Aber dadurch wird der Streifzug durch die Kulturgeschichte des Telefons erst richtig kompliziert. Wir sind es gewohnt, die Saurier-Epoche des Menschen mit Anarchie und Chaos zu assoziieren: kein Staat, keine Ordnung, statt dessen Faustrecht der Freiheit. Genau das haben wir jetzt auch. Man sehe sich nur auf den Straßen um: Da wird telefoniert, was die Chipkarte hergibt, und mancher, der gerade deswegen zur Räson gerufen wurde, teilt dies den Mitmenschen umgehend mit – per Handy am Steuer. O tempora, o mores!

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