Berlin : „Wir sind aus allen Wolken gefallen“

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Viele Mitarbeiter sind genervt: „Jetzt geht die Arie schon wieder los“, sagt eine Frau aus dem Logistikbereich der Bahn dem Tagesspiegel. Dass diese Sparte nach Hamburg ziehen wird, wenn das Geschäft mit der Hansestadt klappt, gilt als ausgemacht. Dabei hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn erst vor kurzem wesentliche Teile aus verschiedenen Bereichen, vor allem aus Mainz, an den Leipziger Platz geholt, wo die Bahn Räume gemietet hat. „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir von den Plänen erfahren haben“, so ein anderer Beschäftigter.

Viele hätten nur widerwillig den Wohnort gewechselt, um den Arbeitsplatz behalten zu können. Nachdem man sich jetzt in Berlin eingewöhnt habe, stehe der nächste Umzug bevor, mit dem niemand innerhalb so kurzer Zeit gerechnet habe. Problematisch sei es für Mitarbeiter mit Kindern, die sich erneut auf ein anderes Schulsystem einstellen müssten.

Viele im Bahntower am Potsdamer Platz bleiben dennoch gelassen. „Entschieden ist ja noch nichts“, sagt ein Mitarbeiter. Und noch stehe nicht fest, ob wirklich die komplette Zentrale an die Elbe zieht. „Andere Unternehmen geben viel Geld aus, um einen Sitz in Berlin zu haben. Und die Bahn will darauf verzichten?“ Sie könne sich das nicht vorstellen, sagt eine Mitarbeiterin. Allerdings sei Mehdorn „alles“ zuzutrauen.

Dass Mehdorn den möglichen Umzug damit verbinden wolle, sich auch von rund der Hälfte der Mitarbeiter zu trennen, hält die Mitarbeiterin für unwahrscheinlich. „So viel Luft haben wir gar nicht.“ Schon jetzt sei mit „eisernem Besen“ rationalisiert worden.

Er gibt aber auch Beschäftigte, die nichts gegen einen Umzug hätten. „Ein Marschbefehl nach Hamburg ist eine neue Herausforderung“, sagt ein ehemaliger Reichsbahner, der schon einige Umstellungen erlebt hat. Hamburg sei nicht außerhalb der Welt. Der ICE verbindet beide Städte seit Dezember 2004 in gut 90 Minuten. „Viele Arbeitnehmer in Berlin oder aus dem Umland sind innerhalb der Stadt länger unterwegs, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen.“

Dass Mehdorn keine große Lust mehr hat, in Berlin zu bleiben, verstehen viele seiner Mitarbeiter. Was der Senat der Bahn zugemutet habe, rechtfertige den Zorn des Bahnchefs. Auch die nassforsche Rede des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, der Mehdorn am Wochenende auf dem SPD-Parteitag hart attackierte, kam nicht gut an. kt

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