Berlin : „Wir sind die Grillweltmeister“

Wie türkische Blätter über die Rauchschwaden im Tiergarten berichten

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Die Hürriyet hat am vergangenen Mittwoch die GrillSaison in Berlin für eröffnet erklärt: „Die Picknickplätze werden immer belebter“, titelte die Tageszeitung an diesem Tag auf der ersten Seite ihrer Berlin-Beilage. Dazu zeigte die Zeitung mehrere Aufnahmen aus dem Tiergarten, auf denen der Leser die dichten Rauchschwaden und den aufgetürmten Müll sehen konnte, die in jedem Sommer wieder das Bild des Tiergartens prägen.

Keiner der Leser dürfte dies als indirekte Kritik verstanden haben: Das Grillen gehört für die Türken zu jedem Picknick unbedingt dazu. Die türkischen Zeitungen haben das Grillen im Tiergarten, der grünen Lunge Berlins, schon vor Jahren zum Teil der türkischen Tradition erklärt. Über die Müllberge hat sich bislang keine der Zeitungen ernsthaft erregt. Stattdessen freut man sich über den wirtschaftlichen Aufschwung, den die Grillsaison mit sich bringt: „Vor allem an den Wochenenden strömen die Menschen zu Tausenden auf die Picknickplätze der Stadt, und durch ihre Grilllaune hat der Fleischkonsum den Höchststand erreicht“, begann der Hürriyet-Text.

Zeit also, die Schlachter zu Wort kommen zu lassen. „Wir haben manchmal Probleme, den Bedarf unserer Kunden zu decken. Die Sommermonate bedeuten für uns die goldene Jahreszeit“, zitierte das Blatt „die türkischen Fleischer“ in Berlin. Zwei Mitarbeiter eines Fleischereibetriebes in Kreuzberg bestätigen: „Wir Türken lieben Fleisch.“ Das 27 Zeilen lange Zitat zieht sich bis zum Ende des Artikels hin: „Von allen Völkern sind wir Türken die Grillweltmeister. (…)Was sollen die armen Menschen machen. Sie arbeiten die ganze Woche über. Der einzige Luxus, den sie sich leisten können, ist es, mit der ganzen Familie im Freien zu grillen, zu picknicken und dabei ihren Stress abzubauen.“

Die Gelage in den Parks sind übrigens eher eine Berliner Spezialität. In der Türkei sieht man solche Bilder selten. Zum einen, weil sich viele nur selten Fleisch leisten können. Zum anderen, weil die Besserverdienenden meist einen eigenen Garten haben. In Berlin dürfte uns das Grillen als Dauerthema erhalten bleiben. Als im vergangenen Jahr der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Uwe Goetze, eine Grillsteuer im Tiergarten forderte, drohte die Hürriyet: „Rührt unseren Grill nicht an!“ Es wird auch diesen Sommer wieder heiter werden. Suzan Gülfirat

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