Wir sind so HELLE : Zwischen Praktikum und Herrenschuhen

Reinhard Selka, 72, aus Pankow, weiß mittlerweile, was besonders schwer zu bekommen ist: Gute gebrauchte Herrenschuhe,.

Sophie Aschenbrenner

"Ich wollte meine freie Zeit in etwas Sinnvolles investieren und habe im Flüchtlingsheim in der Mühlenstraße da angefangen, wo ich ohne Vorkenntnisse nicht falsch machen konnte: beim Sortieren von Kleiderspenden. Mittlerweile trage ich recht große Verantwortung. Wir mussten in der letzten Zeit immer wieder Grenzen setzen und konnten keine Spenden mehr annehmen, weil wir diese Mengen einfach nicht verarbeiten konnten. Außerdem bin ich Mitglied der Koordinierungsgruppe und kümmere mich um Menschen, die sich bei uns einbringen wollen.

Früher habe ich im Bereich der Berufsbildung gearbeitet und bemühe mich auch um die jüngeren Männer unter den Flüchtlingen, die nicht schulpflichtig sind. Ich erkläre ihnen, wie wichtig es ist, zu arbeiten und sich weiterzubilden.

Die Sprache ist der Schlüssel zur Qualifikation

Die Männer in Praktika zu bekommen, ist gar nicht so schwierig, weil wir mit einigen Betrieben gute Kontakte pflegen. Mit der Beschäftigung ist es nicht so leicht. Viele wollen zum Beispiel etwas mit Autos machen, weil sie das in ihrer Heimat getan haben. Doch wenn sie hier in einer Werkstatt sind, merken sie, dass man in Deutschland ganz anders arbeitet. Um sich zu qualifizieren, braucht man vor allem Deutsch. Viele sind dann erstmal angespornt und bemühen sich sehr intensiv. Sie würden jeden Job machen und wollen Deutschland nicht zur Last fallen. Die anderthalb Jahre Flüchtlingsarbeit haben mich geprägt. Und ich weiß mittlerweile, was wirklich schwer zu kriegen ist, nämlich gute, gebrauchte Herrenschuhe. Wir Männer tragen unsere Schuhe einfach immer so lang, bis man sie nicht mehr weitergeben kann."

Sind auch Sie in der Flüchtlingshilfe aktiv oder kennen Sie jemanden, den wir hier vorstellen sollten? Schicken Sie uns eine E-Mail an berlin@tagesspiegel.de

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