Wir Touristen, wir Opfer : Wie sich Berlin-Besucher vor Dieben schützen

In Berlin machen nicht nur Hoteliers ein Geschäft mit Touristen, sondern auch Diebe und Betrüger. Aber auch die Berlin-Besucher wissen, wie sie sich schützen können.

Jana Scholz
Trubel vor dem Brandenburger Tor. Im Sommer ist Hochzeit für Touristen in Berlin.
Trubel vor dem Brandenburger Tor. Im Sommer ist Hochzeit für Touristen in Berlin.Foto: dpa

Trubel vor dem Brandenburger Tor: Hochsommer, Touristenzeit. Ein Pärchen aus Brasilien steht vor dem Wahrzeichen. „Soll ich ein Foto von Ihnen machen? Geben Sie mir doch Ihre Kamera … “ – und das Pärchen rückt das teure Gerät auch prompt raus. Gar keine Angst, dass Kriminelle mit der Kamera einfach abhauen könnten? Nein, sagen die Brasilianer in gebrochenem Englisch. „Deutsche achten auf Sicherheit. Und deswegen sind wir nicht misstrauisch.“

Andere sind es schon – sie sind schließlich in Berlin, einer Großstadt, in der nicht nur Hoteliers ein Geschäft mit Touristen machen, sondern auch Diebe und Betrüger. Im Café Unter den Linden sitzt Adam Kovacs, das Smartphone in der Hand. Der gebürtige Ungar ist vorsichtig: „Bei meinen Besuchen in meiner Heimat habe ich gelernt, alles was mir wichtig ist, in der Hosentasche und nicht im Rucksack zu tragen.“

Eben in der S-Bahn habe ihn eine französische Touristin gebeten, die Karten-Funktion seines Handys nutzen zu können, um den Weg zur nächsten Touristenattraktion zu suchen. „Ich habe das Telefon lieber in der Hand behalten und ihr den Weg so gezeigt.“

Wertsachen im Hotelsafe

Alexander Mehlhop ist dieses Wochenende zu Besuch in Berlin. Sein Mobiltelefon fest im Griff sitzt er auf einer Bank vorm Brandenburger Tor. Unterwegs trägt der Niedersachse sein Handy in der Innentasche seiner Jacke. Um noch sicherer zu sein, hätte er am liebsten eine Smartphone-Tasche, mit der man das Telefon am Gürtel befestigen kann. Auch Mehlhop selbst würde Passanten bitten, mit seinem Mobiltelefon ein Foto von ihm zu machen: „Vertrauenswürdigen Leuten Ü50 würde ich mein Handy schon mal in die Hand geben.“

Die Touristin Ilona Sander aus Nordrhein-Westfalen hat sich mit ihrem Mann extra auf ihren Berlin-Urlaub vorbereitet: „Unsere Wertsachen bleiben immer im Hotelsafe. Und wir nehmen nie mehr als 15 Euro für die täglichen Touren mit.“ Der Reiseveranstalter hatte die Urlauber vorab gezielt vor Handy-Dieben in der Berliner U-Bahn und den berüchtigten Würfelspielchen gewarnt.

Der Velotaxi-Fahrer Thore Röben am Brandenburger Tor hat von einem Trick der Taschendiebe gehört, bei dem Diebe Kinder einsetzen, um Passanten zu bestehlen: Auf einer Verkehrsinsel dreht sich ein Mädchen scheinbar im Spiel um eine Ampel und rempelt dabei einen Passanten an. Daraufhin entschuldigt sich ein Angehöriger des Kindes bei dem Passanten – und greift dabei unauffällig in dessen Hosentasche, wo das Smartphone steckt. Auch Thore Röben wurde bestohlen: „Die Geldbörse, im Supermarkt.“

Alte Handys wollen die Diebe nicht

Trickdiebe hat auch eine spanische Touristenführerin am Brandenburger Tor beobachtet. Passanten seien nach Unterschriften gefragt worden. Und während die abgelenkt gewesen seien, habe ihnen ein Komplize das Smartphone aus der Tasche gezogen. „Mein Smartphone hat 500 Euro gekostet“, sagt die Spanierin. „Das wäre schlimm.“

Eine besonders zuverlässige Taktik gegen Diebstahl schlägt eine Familie vom Niederrhein vor: „Mein Handy ist so alt, dass es niemand klauen möchte“, sagt der Familienvater. Zwölf Jahre hat sein Siemens A55 auf dem Kasten. Das ist selbst Dieben nicht smart genug.

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