WIR  VIERZEHN ! : American Curl: Die fast perfekte Welle

Zu beiden Seiten der Wohnzimmertür hat Natalia Paladicuk gerahmte Fotos dekoriert. Ihre beiden Familien: rechts die Kinder, drei Söhne, eine Tochter, links die Katzen. „Ich bin eine glückliche Mutter“, sagt sie mit kleinem Lachen und viel russischem Akzent. „Kätzchen sind wie meine Kinder.“ Derzeit hat sie 13, das älteste sechs, die drei jüngsten fünf Wochen. Die Stube in Treptow ist das Spielzimmer. Während Golden Grey auf Mamas Schoß sitzt, ihr die Wange samtpfotig tätschelt und Küsschen gibt, geht am zimmerhohen Kratzbaum die Post ab. Drei Monate alte Raudis toben um vier große Weibchen und drei Kater herum, Schönheiten mit halblangem Haar, meist weiß oder cremefarben mit roten oder grauen Schlieren im Fell. Sie haben ein gemeinsames Merkmal: nach hinten gerollte Öhren. Die Rasse heißt American Curl, die Ukrainerin Natalia Paladicuk ist deutschlandweit die einzige Züchterin. Mitten im Zimmer steht die Vitrine voller Preise und Pokale. Natalias Erfolgsgeheimnis: Sie kreuzt nie Haus- oder Perserkatzen ein wie andere Züchter. So haben ihre Tiere alles, was rassetypisch ist: Nasen mit schönem Schwung, lange Beine, gestreckte Körper. Das Optimum ist selten. Nicht alle Rollohren machen die perfekte Welle dritten Grades, nicht jedes Gesicht ist ideal. „Gibt es nicht perfekte Menschen, gibt es nicht perfekte Katze“, bemerkt Natalia und lockt ihre Kleinen kurz mal auf Russisch. Täglich hegt sie sie mit einer Portion Frischfleisch, hält fünf Katzenklos, die Futterstelle und viele Trinkplätze piksauber. Mutterliebe spricht auch aus den Namen: Joy, Freude, Solrika, Sonne, Ruschka, Rose. Santa Claus hat ein rotes Fellmäntelchen und, ach, Amore mio hat schokobraunes Fell. Susanne Leimstoll

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