Berlin : „Wir wollen rationalisieren – aber nicht auf Kosten der Sicherheit“

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„Retten, löschen, bergen, schützen" lautet das Motto der Feuerwehr. Können Sie auch Berlins Finanzen retten?

Retten können wir Berlin nicht, wir werden aber immerhin dazu beitragen, Berlins Finanzen nicht weiter zu verschlechtern.

Wie soll das gehen?

Wir suchen selber nach Rationalisierungsmöglichkeiten, ohne an der Sicherheit zu sparen. Denn was passiert, wenn man an der Sicherheit spart, hat man am Beispiel Jagdschloss Glienicke gesehen. Wenn sich das Land Berlin eine Brandmeldeanlage geleistet hätte, hätten wir das Feuer in einer sehr frühen Phase erkannt, und der Schaden hätte einen Bruchteil betragen.

Die Feuerlöschboote werden oft als Einsparpotenzial genannt, weil sie nur sehr wenige Einsätze haben. Beim Brand des Jagdschlosses hat das Boot jedoch sehr geholfen. Müssen wir uns diesen Luxus leisten?

Die vier Boote sind tatsächlich sehr teuer. Wir werden künftig auf ein Boot verzichten. Die hohen Kosten für die anderen müssen wir in Kauf nehmen, weil wir sie in bestimmten Situationen brauchen, das hat man ja am Montag gesehen. Es hätte fatale Folgen, wenn wir ganz auf die Boote verzichteten.

Wo in der Verwaltung, im Fuhrpark oder beim Personal können Sie denn noch sparen?

Wir prüfen, ob weiter Personal abgebaut werden kann – aber nicht bei den Männern im Einsatz.

Gibt es zu viele Feuerwehrautos?

Die Zahl der Löschfahrzeuge wurde von 218 auf 204 reduziert. Bei den Rettungswagen reduzieren wir von 151 auf 148, davon sind 34 taktische Reserve.

Und die Reserve brauchen wir?

Ja, denn es gibt Veranstaltungen wie die Love Parade, Silvester am Brandenburger Tor und 1. Mai in Kreuzberg, an denen wir wesentlich mehr Fahrzeuge brauchen. Das ist nicht vergleichbar mit anderen Städten.

Muss die Feuerwehr Rettungswagen haben? Können das Privatfirmen nicht billiger machen – so wie in München?

Es gibt eine klare Aussage des Deutschen Städtetages: Es ist wirtschaftlicher, wenn der Rettungsdienst in die Feuerwehr integriert ist. Der Städtetag stellt im Herbst einen Städtevergleich vor. Dort werden wir nicht schlecht dastehen. Wenn wir, wie München, auf den Rettungsdienst verzichten, sparen wir 30 Millionen Euro, verzichten aber auf 45 Millionen Euro Einnahmen.

In diesem Jahr sollen die Gebühren für den Rettungsdienst erhöht und für technische Hilfeleistungen und für Fehlalarme eingeführt werden. Wie viele Millionen kommen so jährlich zusätzlich in die Kasse?

Die Erhöhung für Rettungsfahrten von 212 auf 310 Euro bringt 17 Millionen Euro pro Jahr. Bei Hilfeleistungen und Fehlalarmen erwarten wir 2,5 Millionen pro Jahr.

Das Gespräch führte Jörn Hasselmann

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