Berlin : „Wir wurden total überrascht“

Wird die Postbank an die Deutsche Bank verkauft? Mitarbeiter und Kunden sind verunsichert

Christian van Lessen

Vor dem 23-stöckigen Hochhaus der Postbank am Halleschen Ufer weht der Wind am Montag besonders kühl. Trotz der wärmeren Temperaturen kommen Passanten, die sich vom Bahnhof Möckernbrücke nähern, wegen kräftiger Aufwinde ins Frösteln. Auch im Haus ist die Stimmung unterkühlt: Viele Beschäftigte und Kunden sind wegen der unklaren Aussichten über die Zukunft der Bank – Gerüchte über die mögliche Übernahme durch die Deutsche Bank – verunsichert.

„Wir wurden total überrascht“, sagt eine Mitarbeiterin, gerade vor dem Börsengang der Postbank habe man so etwas nicht erwartet. „Kein gutes Gefühl“ hat auch Gartenbauer Thilo Zienicke, der an einem der Auszugsdrucker im Vorraum des Foyers steht. „Das hat nichts mit dem Kontostand zu tun, sondern mit den Nachrichten.“ Der Kreuzberger kann sich nicht vorstellen, dass die Postbank verkauft wird. Rund 800 000 Konten führt das Unternehmen in Berlin, zählt über 600 Mitarbeiter. Das „Warum“ einer Übernahme müsse man Kunden sehr genau erklären. Aber noch, hoffe er, sei nichts entschieden. Er habe an der Postbank nichts auszusetzen, außer, dass sie eine Filiale in seiner Nähe geschlossen und sich bei einer Kreditanfrage einmal kleinlich verhalten habe.

Sein Nachbar am Drucker will seinen Namen lieber nicht nennen: „Bankgeheimnis“. Aber er erzählt, dass er seit 20 Jahren hier sein Konto hat, sein erstes überhaupt. Alle Namen habe es mitgemacht: Postscheckamt, Postgiroamt – oder nun Postbank. Die Bank sei ihm mit den Jahren fast ans Herz gewachsen. Aber gerade habe er wieder sehr lange stehen und auf die Beratung warten müssen. „Vielleicht wird es mit der Deutschen Bank besser.“ Er weist auf ein Plakat, das die Postbank als „Deutschlands beste Bank“ bezeichnet und schüttelt den Kopf.

Am Montag diskutieren etliche Postbank-Kunden nicht nur am Halleschen Ufer, sondern in fast allen Postfilialen über das, was sie in der Zeitung gelesen oder in den Nachrichten gehört haben. Viele fürchten, dass Gebühren steigen und beispielsweise das unentgeltliche Versenden von Überweisungen in blauen Kuverts wegfällt. Dass die Deutsche Bank zu den seit Tagen kursierenden Übernahmegerüchten am Wochenende keine Stellung nehmen wollte, trug zur Beunruhigung bei. Der Betriebsrat im Hochhaus am Halleschen Ufer vermittelte am Montag allerdings den Eindruck, er sei auf Tauchstation gegangen. Eine Mitarbeiterin verwies auf die wegen „ständiger Sitzungen“ beanspruchte Vorsitzende und sagte: „Wir sind verpflichtet worden, gar nichts zu sagen.“

Die Geschicke des Berliner Hauses werden von der Bonner Postbank-Zentrale geleitet. Die wiederum fühlte sich am Montag für Auskünfte nicht zuständig und verwies auf die Bonner Post-Zentrale. Es bleibe beim geplanten Börsengang am 21. Juni, hieß es dort. Die Übernahmegerüchte wurden als „reine Spekulation“ bezeichnet.

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