Berlin : Wird Berlin einst ein zweites Pompeji? (Glosse)

Lothar Heinke

Eines Tages in tausend Jahren, wenn sich die Touristenströme durch die Ruinen dieser Stadt bewegen, wenn man sich gegenseitig am Brandenburger Tor fotografiert, die geschwärzten Mauern des Reichstagsgebäudes bestaunt und ehrfurchtsvoll durch die Goldmosaikfresken im Sauna-Bereich des Hotels Adlon spaziert, wird der Fremdenführer erzählen, warum es der großen Kapitale so erging wie weiland Pompeji.

"Das hatte damals den Vesuv", wird der Gästebetreuer sagen, "aber Berlin hatte um die Weihnachtszeit seine Lichterketten, seine Engelchen, die himmlischen Funkenmariechen, die Sterne aus Glühbirnen und die stromgefüllten Pfefferkuchen. Es war eine durch und durch geladene Stadt, hochexplosiv". Und dann erzählt der Mann von einer Begebenheit Anfang Dezember 1999, über die alle Zeitungen schrieben und die so etwas wie der Anfang vom Ende war: "Durch eine selbstgebastelte Lichterkette brach in der Wohnung eines 58-jährigen Mannes in dem Stadtteil Tempelhof ein Feuer aus. Als der Mann seinen leuchtenden Weihnachtsspaß einschaltete, geriet eine zur Dekoration angelegte Gestrüppecke (!) in Brand. Die Flammen schlugen wild um sich, entzündeten eine darüber liegende Maisonette-Wohnung, wo Balkon und Dachbalken lichterloh brannten". Tröstlich war, dass in diesem Falle ein Übergreifen der Flammen auf weitere Wohnungen oder benachbarte Gebäude verhindert werden konnte, und dass, so streng waren damals die Sitten, der Mieter vorläufig festgenommen wurde, möglicherweise wegen Brandstiftung. Aber da er nicht als Einziger der Sucht der Lichterketten erlegen war, gilt damals wie heute: Seid wachsam, Leute!

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