Berlin : Wirt Drautzburg beklagt zähe Bürokratie

bm

500 Mark Bußgeld hat ihn die Angelegenheit gekostet, und Friedel Drautzburg ist sauer. Nicht über die Strafe an sich, sondern weil er sich als Opfer einer überforderten Bürokratie sieht. Ja: Er hat seine "Ständige Vertretung" am Schiffbauerdamm eine Weile ohne gültige Konzession betrieben, hat vergessen, sich rechtzeitig um Verlängerung der vorläufigen Erlaubnis zu bemühen. Doch er meint, das alles wäre nicht passiert, wenn die Behörden mit gleicher Intensität an der Konzession gearbeitet hätten wie am Verfahren gegen ihn.

"In Bonn gibt es ein Amt, eingerichtet wie ein Fünf-Sterne-Hotel, das sich um alles kümmert," sagt Drautzburg, "man stellt einen Antrag, und dann melden sich nach und nach die zuständigen Stellen und fragen, wann sie denn jemanden vorbeischicken dürften. In Berlin muss man selbst zu sieben oder acht Behörden laufen." Drautzburg erinnert sich, dass er, um die notwendigen Prüfungen einzuleiten, einen wichtigen Mann im Wirtschaftsamt wochenlang angerufen, ihn nie erreicht und ihm dann einen Brief geschrieben habe, der nicht beantwortet worden sei. Mit seinen Erfahrungen aus dem Rheinischen habe er sich letztlich darauf verlassen, dass das Amt ihn freundlich daran erinnern werde, bevor die Konzession tatsächlich auslaufe. "Für eine Konzession zahle ich im Endeffekt 2500 Mark", sagt er, "dafür habe ich doch einen Anspruch auf Tätigwerden!"

Dabei macht der Wirt dem Bezirksamt Mitte ausdrücklich keinen Vorwurf: "Der (Bezirksbürgermeister) Zeller ist ein prima Kerl, die Leute sind nett und tun, was sie können, aber das Amt ist einfach unterbesetzt." Die Amtsrichterin stimmte ihm in diesem Punkt ausdrücklich zu. Drautzburgs Fazit: "Die Berliner haben den Klodeckel erfunden. Aber die Rheinländer haben die Öffnung reingemacht."

"Alles hängt vom Bezirk ab, in dem die Kneipe steht", sagt Karl Weißenborn, der Geschäftsführer der Hotel- und Gaststätten-Innung zu dieser misslichen Situation. Grundsätzlich seien alle Bezirke im Wettlauf um Gewerbeansiedlungen und stünden Gaststätten offen gegenüber, "mal langsamer, mal schneller". Doch wenn es Grund zum Nachfassen gebe, "dann stellen wir meist fest, dass die Ohren weit offen sind." Weißenborn meint, eine gründliche Vereinfachung sei nur über den Gesetzgeber zu erreichen, beispielsweise mit einer Regelung, die die Verwaltung unter Zwang setzt. In Hessen sei jetzt festgelegt worden, dass eine Konzession einen Monat nach Beantragung als erteilt gilt, wenn die Ämter in dieser Zeit nicht tätig werden.

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