Berlin : Wirt im Paradies

Jörg Starke ist Kulturmanager, Kunstmäzen – und von heute an auch Chef eines Biergartens

Christian van Lessen

Er ist Kulturmanager und Kunstmäzen, Kuratoriumsvorsitzender einer gemeinnützigen Kunststiftung. Sein Name ist mit dem luxuriösen, prachtvollen Künstlerdomizil und Veranstaltungshaus Löwenpalais an der Grunewalder Koenigsallee verbunden. Mit einem Zehlendorfer Ausflugslokal bislang aber nicht.

Jörg Starke ist, wie man sagt, vielseitig engagiert. Jetzt erfüllt er sich – was mit der Stiftung nichts zu tun hat – als Privatmann einen Wunsch. Der Mann mit der markant tiefen Stimme ruft das seit Jahren verwilderte Landhaus Söhnel eingangs des Griebnitzsees aus dem Tiefschlaf. Heute eröffnet er an der Neuen Kreisstraße in Zehlendorf, Kohlhasenbrück, einen Biergarten, den er „Paradiesgarten“ nennt. Mit Lounge-Ecken und einer Menge exotischer Dekoration.

Beim Joggen kam der 49-Jährige häufig an dem verlassenen Gelände mit der Söhnel-Werft vorbei. Der alte Gastronomiebereich mit den baufällig wirkenden Nebengebäuden verkam mehr, und Starke fing an zu träumen. Der gebürtige Berliner hatte vor Augen, wie belebt es hier früher aussah. Seit den 20er Jahren gab es hier Landhaus und Werft. Er fragte bei der Familie Söhnel an, ob sich ein Rettungsversuch lohne. Der Kaufvertrag war schnell perfekt, Ende 2006 gehörte ihm das 6700 Quadratmeter große Gelände am Ufer des Teltowkanals, mehr als 2000 Quadratmeter sind Biergarten.

In den letzten Wochen begann Starke, eine neue, große Terrasse anzulegen, er stellte einige Bambushütten, Gazebos auf. In Indonesien ruht man sich darunter aus. Bald sollen hier Liegestühle stehen. Inspiration und Beratung holte er sich während eines zweimonatigen Besuchs in Asien. Hier wuchs die Vision, wie grandios es am Ufer aussehen könnte. Starke machte sich daran, einige der rührend schiefen Gebäude zu sanieren, ein neuer Küchentrakt wurde sensibel angebaut, als stünde er schon immer hier. Für die Gastronomie, von der Starke nichts versteht, suchte er einen Geschäftsführer. Für das Landhaus, das er mit der Uferterrasse Ende Juni eröffnen will, sucht er noch den passenden Koch.

Indonesisch scharf, wie er sich erst vorstellte, könne hier kein Mensch essen. Österreichisch soll die Küche sein, von guter Qualität, ohne Anspruch auf fünf Sterne. Kaffee, Kuchen – auch das gehört dazu. Die Konzepte werden im Büro der Söhnel-Werft entworfen, die Einrichtung stammt aus den 50ern. Starke genießt die Atmosphäre. Sie hat etwas von einem Gesamtkunstwerk. „Das bleibt hier aus Respekt.“ Er fährt auch einen Oldtimer aus dieser Zeit. An der Wand hängt sogar noch ein Bild des alten Söhnel.

Noch sieht alles recht unfertig aus. Deshalb bietet Starke zunächst auch nur den neuen Biergarten an, rund 350 Leute werden hier Platz finden. Draußen will er bei Selbstbedienung „klassisch Gegrilltes“ anbieten, Würstchen, Lamm, Chicken, mariniert in Joghurt. Ist bald auch das Landhaus mit der Uferterrasse in Betrieb, wird es auch Bedienung geben. Sorge, dass zu wenig Leute vorbeikommen, dass er rund zwei Millionen Euro umsonst investiert, hat er nicht. Das Gelände hat Parkplätze, der Verkehr von und nach Steinstücken/Babelsberg rollt vorbei. „Hier gibt’s Spaziergänger ohne Ende und am Wochenende ist es voll wie am Ku’damm“, versichert er. „Hier würde ich auch selber hingehen.“

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