Berlin : Wirtschaftsförderung wie im Flug

Direktverbindung nach New York lockt neue Zielgruppen für Berlin-Besuche

Stefan Jacobs

Die Stimmung am Flughafen ist feierlich, als wäre soeben die erste Atlantik-Überquerung geglückt. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist nach Tegel gekommen, die Chefs der Berliner Flughafengesellschaft sind ohnehin da, und auch Jim Whitehurst, Manager bei Delta Air Lines, ist angereist, um bei der Premiere dabei zu sein. Während im Konferenzraum die VIPs erklären, wie wichtig der tägliche Direktflug von Tegel zum New Yorker JFK-Flughafen für den Wirtschaftsstandort Berlin ist, stehen unten am Flugsteig 0/1 die Touristen Schlange und wundern sich, warum sie mit Pfannkuchen bewirtet und von einer Kapelle mit Tuba und Akkordeon beschallt werden.

Elke Hallmann und Lars Kunze haben den Flug vor acht Wochen im Reisebüro gebucht – und sich gefreut, dass er nur je 399 Euro kostet und knapp neun Stunden dauert. Die meisten scheinen den Flug nicht wegen der Premiere gebucht zu haben, sondern wegen des günstigen Preises. Wegen solcher Gäste hatten die Airlines ihre Direktflüge in die USA einst eingestellt, zuletzt die Lufthansa Ende 2001: In Berlin sei die Business Class schlecht gebucht, und an Economy-Passagieren verdiene man nicht genug, hieß es.

Die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit – auch die eigenen – fechten Delta-Manager Whitehurst nicht an: „Für Mai ist unsere Business Class zu 70 Prozent ausgebucht. Das übertrifft unsere Erwartungen.“ Ebenso wichtig sei das große Interesse am Frachttransport in der Boeing 767: „Das Cargo-Geschäft kann darüber entscheiden, ob ein Flug profitabel wird.“ Bisher würden Güter aus Berlin erst per Lkw nach Frankfurt am Main gebracht und dort ins Flugzeug geladen. Entsprechend groß sei das Interesse der Spediteure an der Direktverbindung. „Die Bedingungen sind viel besser als 1998.“ In jenem Jahr hatte Delta die Verbindung von Berlin nach New York eingestellt.

Jetzt sehen alle den Wirtschaftsstandort Berlin gestärkt, zumal ab 1. Juli auch die Fluggesellschaft Continental von Tegel nach Newark bei New York fliegen wird. Wowereit sagt, die fehlende Nonstop-Verbindung in die USA sei für Investoren „ein Totschlag-Argument“ gewesen. Zwar können weder er noch die Wirtschaftsverwaltung den Nutzen der Verbindung beziffern, aber die Berlin Tourismus Marketing (BTM) präsentiert eindrucksvolle Zahlen: 156000 US-Bürger hätten 2004 in Berliner Hotels eingecheckt, gut ein Viertel mehr als 2003, Tendenz weiter steigend. Durchschnittlich blieben Amerikaner 2,7 Tage in der Stadt und gaben täglich 180 Euro aus. „Durch einen Direktflug erreicht man ganz neue Zielgruppen, weil die Hemmschwelle für Buchungen sinkt“, sagt BTM-Sprecherin Natascha Kompatzki. So sei nun auch mit amerikanischen Wochenendtouristen zu rechnen. Vor allem aber werde die Stadt für Tagungen und Kongresse attraktiver. Dass Zeit für Geschäftsleute das stärkste Argument ist, weiß auch die Industrie- und Handelskammer: Auf die Ersparnis des Umsteigens komme es an. Wie sehr, schildert die Sprecherin des weltweit tätigen Stadtmöblierers Hans Wall: „Schnelligkeit ist ein absoluter Geschäftsvorteil. Herr Wall ist früher teils mit der Concorde nach Amerika geflogen, um Zeit zu sparen.“ Infos und Buchung: 01803337880 (Delta), 01803212610 (Continental)

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