• Wirtschaftskriminalität I: Der Polizei ging ein seit Jahren gesuchter Manager ins Netz

Berlin : Wirtschaftskriminalität I: Der Polizei ging ein seit Jahren gesuchter Manager ins Netz

Tanja Buntrock

Am vergangenen Sonnabend fand eine langjährige Flucht ihr Ende. Für den Deutschen Michael Rottmann, den die Polizei für einen der größten Wirtschaftsprofiteur der deutschen Einheit hält, klickten in Hazlemere-Wyjcame in der Nähe von London die Handschellen. Seit 1997 war er von den Ermittlern mit internationalem Haftbefehl gesucht worden, die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Jahren wegen Betruges. Der Manager steht im Verdacht, als führender Kopf einer Bande fungiert zu haben, die die Treuhandanstalt 1991 beim Erwerb der Ost-Berliner Firma WBB Wärmeanlagen GmbH getäuscht und so einen Schaden von etwa 70 Millionen Mark verursacht haben soll. Später habe er der Firma Vermögen im Wert von 150 Millionen Mark entzogen.

1990 verdiente der damals 47-Jährige sein Geld als Prokurist der Deutschen Babcock AG. Kein schlechter Job, doch Rottmann wollte mehr. Die WBB hatte jahrzehntelang Heizkraftwerke und Fernwärmeleitungen in der DDR gebaut. Die Firma besaß Grundstücke und Bürohäuser in Berlin, Leipzig und Zwickau. Zum Jahresende 1990 lagen 153 Millionen Mark auf den Konten. Die Babcock AG schickte Rottmann nach Berlin, um die Firma zu durchleuchten. Der Ingenieur witterte seine Chance: Er verbündete sich mit den beiden WBB-Geschäftsführern und zwei Schweizern. Die Situation der WBB malte er bei der Babcock so schwarz, dass diese dankend ablehnte. Dafür schaffte Rottmann einen anderen Kaufwilligen heran: Das Schweizer Unternehmen Chematec. Dieses übte laut Ermittlern nur eine Strohmannfunktion aus, denn Rottmann hatte seine eigenen Pläne. In einer Selbstdarstellung pries er die Chematec als Firmengruppe mit 380 Mitarbeitern bei der Treuhand an. Am 27. Februar 1991 kaufte die Chematec das Ostunternehmen für 2 Millionen Mark. Rottmann wechselte in die Geschäftsführung der WBB. Kaum spürte er den Chefsessel unter sich, so die Fahnder, begann Rottmann mit der gezielten Ausplünderung der Firma. Mit seinem Schweizer Partner, dem Chematec-Chef Justin Kessler, habe er ein verwirrendes Firmenkonglomerat aufgezogen. Auf undurchsichtige Weise sollen in diesem Netz Millionen versickert sein. 1997 wanderten Rottmanns Komplizen in Untersuchungshaft. Rottmann bekamen die Beamten zunächst nicht zu fassen. Ab und zu meldete er sich in der Heimat, überwies sogar den Jahresbeitrag bei seinem Segelverein - ohne Absender. Doch zum Segeln wird er in Untersuchungshaft eh nicht kommen.

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