Berlin : Wirtschaftsminister Glos fliegt für Tempelhof

CDU-Fraktionschef Pflüger lud zum Rundflug mit dem Rosinenbomber Kanzleramtschef de Maizère für Weiterbetrieb bis zur Eröffnung Schönefelds

Ulrich Zawatka-Gerlach

Ein Rundflug von und nach Tempelhof: Michael Glos fand das sehr eindrucksvoll. „Der Blick auf die Stadt und der Sound der Motoren!“ Der Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger hatte den Bundeswirtschaftsminister und CSU-Mann zu einem Rundflug mit dem Rosinenbomber über Berlin eingeladen. Privat gesponsort und mit dem Ziel, für die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof zu werben. Spitzenleute der IHK, der Handwerkskammer und des Bundesverbands für Wirtschaftsförderung waren mit an Bord der Douglas DC-3, um dem Volksbegehren für Tempelhof etwas mehr wirtschaftspolitischen Aufwind zu verschaffen.

Und der Minister gab sein Bestes. Er sei früher oft von Tempelhof aus gestartet und dort gelandet, erzählte Glos kurz vor dem Start in der „Captain’s Lounge“, wo ein Gläschen Sekt gereicht wurde. „Denn von hier ging es nach Nürnberg, und ich bin immer nett und freundlich behandelt worden“. Es sei doch wunderbar, wenn es mitten in der Stadt eine solche Möglichkeit gebe. Jedenfalls bis der andere Airport, „na Sie wissen schon, BBI oder so ähnlich, ein Stück weiter fertig ist“. Und nach der Eröffnung des Großflughafens Schönefeld? „Also, da halte ich mich raus, das ist juristisch.“ Aber – etwas nach vorne offen zu halten, sei doch immer was Positives.

Pflüger dankte dem Wirtschaftsminister herzlich, „dass er mit uns fliegt und damit zeigt, dass Tempelhof für Berlin und Deutschland wirtschaftliche Bedeutung hat“. Er sei sehr zuversichtlich, dass der Flughafen offen bleibe. Kein demokratischer Politiker könne es sich leisten, 170 000 Stimmen für das Volksbegehren zu ignorieren.

Dann wurde in einem kleinen, fensterlosen Raum, wo früher die Rosinenbomber-Piloten ihre Nächte verbrachten, ein Film über die Berlin-Blockade gezeigt, aber Pflüger war ungeduldig und brach die Vorführung vorzeitig ab. „Kommt, wir gehen jetzt.“ An die Passagiere wurden schmucke Bordkarten verteilt und dann kletterten sie an Bord. Die Motoren brummten satt und sangen den Sound, den Glos so mag. American Swing-Musik ertönte und die Maschine flog bei guter Weitsicht gemächlich eine Schleife über Berlin. Pflüger und Glos saßen vorne links. Auch die Herren aus der Wirtschaft sanken in die dunkelroten Ledersitze und schauten sich Berlin vergnügt von oben an. „Geradezu luxuriös, diese Ausstattung“, schwärmte Glos.

Vorher hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Rzepka einen Brief des Kanzleramtschefs verteilt, in dem sich Thomas de Maizière erneut für die „beschränkte Offenhaltung Tempelhofs“ für Geschäftsflieger aussprach. Jedenfalls bis zur Inbetriebnahme des Airports in Schönefeld. Denn der Bund, Berlin und Brandenburg stimmten „in der Einschätzung überein, dass ein unbefristeter Weiterbetrieb den Planfeststellungsbeschluss und damit den Bau von BBI gefährden würde“. Die Landung war etwas holprig und jedem Mitreisenden wurde noch ein „Bordmagazin 2008“ in die Hand gedrückt, dem zu entnehmen ist, dass die DC-3 auch in Dresden startet – und gelegentlich in Schönefeld.

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