Berlin : Wirtschaftspartner: Berlin und Moskau putzen die Platte

C. v. L.

Berlin und Moskau wollen bei der Wohnungsbausanierung und der Müllverwertung zusammenarbeiten. Entsprechende Vereinbarungen unterzeichneten die Stadtoberhäupter Eberhard Diepgen (CDU) und Jurij Luschkow am Dienstag. Mit einem Pilotprojekt werden Berliner Unternehmen in der russischen Hauptstadt gemeinsam mit einheimischen Firmen Wohngebäude sanieren und modernisieren. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Berliner Unternehmen ihre zehnjährigen Erfahrungen bei der so genannten Komplexsaneierung in einem Moskauer Zentralbezirk anwenden.

Dabei geht es im Interesse der Energieeinsparung vor allem um eine wirkungsvolle Isolierung der Häuser. Außerdem werden die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) mit Partnern bei der Verarbeitung und Wiederverwertung von Haushalts- und Industrieabfällen kooperieren.

Während seines eintägigen Aufenthaltes an der Spree besucht Moskaus Oberbürgermeister außerdem Großmärkte, Verkehrs- und medizinische Einrichtungen. Auch Gespräche mit Vertretern von Banken und Handelsorganisationen stehen auf dem Programm.

Auf die Erfahrungen Berlins bei der Plattensanierung greifen mehrere Länder des ehemaligen Ostblocks zurück. Sie stehen mit ihren Großsiedlungen vor ähnlichen Problemen. In Berlin hatten jahrelang nicht nur die marode Bausubstanz der Siedlungen, sondern der zunehmende Leerstand Sorgen bereitet. Noch gibt es in den Siedlungen einen verbreiteten Leerstand, doch von einem strukturellen Problem spricht man nicht mehr. Der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen schließt den Abriss von Plattenbauten, wie er in einigen Städten Brandenburgs praktiziert wird, für Berlin aus.

Anderseits gibt es jedoch Überlegungen, zumindest stellenweise Wohnungen dieser Bauart abzureißen. In der vergangenen Woche wurden Pläne der Gesellschaft Howoge bekannt, ein 21stöckiges Hochhaus an der Frankfurter Allee Ecke Möllendorffstaße in Lichtenberg abzureissen, um ein Verwaltungszentrum zu errichten. Das Bezirksamt stellte aber Anfang der Woche klar, dass ein Abriss nicht spruchreif ist, der Bebauungsplan erst geändert werden müsse und vor einem möglichen Abriss ein mehrjähriges Verfahrender öffentlichen Beteiligung und Diskussion nötig sei.

Aber es gibt Überlegungen, Kindertagesstätten, die in Plattenbauweise errichtet wurden und nicht mehr benötigt werden, möglicherweise abzureißen oder neu zu nutzen. Pläne, sie nach einem Umbau für Eigentumswohnungen zu nutzen, sind in einem Fall an der Zingster Straße in Hohenschönhausen spruchreif geworden, nachdem die Finanzverwaltung den Verkehrswert des Grundstücks für einen Verkauf um gut die Hälfte reduziert hat.

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