Berlin : Wirtschaftspolitik: Mit Visionen gegen den Pleitegeier

Marc Mühldorfer

Vornehm ging es im Konferenzsaal eines Hotels am Potsdamer Platz zu - rund 250 Wirtschaftsvertreter lauschten am Dienstagabend Berlins Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) und Bundeswirtschaftsminster Werner Müller (parteilos). Weniger vornehm hörten sich dagegen die Zahlen an, die Krajewski erfrischend ehrlich präsentierte. Die Verschuldung der Stadt liege bei 75 Milliarden Mark. Die Zinslast raube ihr 41 Pfennig von jeder Steuermark. Die hohe Arbeitslosigkeit von über 16 Prozent und die niedrige Wirtschaftskraft täten ihr übriges, um Berlin vor allem für über der Stadt kreisende Pleitegeier interessant zu machen.

Aber die Dame hat Visionen. Falls sie ihren Posten nach der Wahl am 21. Oktober behält, will sie Berlin aus den Miesen führen. Ab 2009 sollen keine weiteren Schulden mehr gemacht werden, versprach sie. Wege aus der Krise nannte sie auch. Der Verwaltungsapparat soll entschlackt werden, für Investoren will sie zentrale Anlaufstellen schaffen. Weitere Teile der städtischen Freiflächen sollen verkauft werden. Zudem sprach sie von: mehr Privatisierungen von Landesgesellschaften, einem konsequenten Sparkurs und "Entrümpelung". Vorschriften, die keiner brauche, sollten nach ihrer Meinung "kiloweise" wegfallen.

Werner Müller betonte, dass Berlin kaum große Industrieunternehmen vorzuweisen habe - aber dringend Investoren benötige. Schließlich habe Berlin die besten Voraussetzungen, sagte der Minister. Neben der Bundesregierung seien auch ziemlich alle Wirtschaftsverbände ansässig. Das seien Berlins Stärken, die es ohne finanzielle Hilfe vom Bund nutzen müsse. Zudem forderte er, dass der Groß-Flughafen schnell gebaut und die Fusion der Energieunternehmen rund um die Bewag vorangetrieben werde.

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