Wissenschaft : Berlins Spitzenforschung hebt ab

Nach zwei Jahren Gezerre nimmt die Einstein-Stiftung ihre Arbeit auf. 150 Millionen Euro stehen für Wissenschaftsförderung bereit, um die Universitäten international zu vernetzen. Die Opposition kritisiert ein intransparentes Finanzsystem.

Amory Burchard,Tilmann Warnecke
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Hoch hinaus. Studieren wie im All – das konnten Studenten der Technischen Universität bei einem Parabelflug der European Space...

„Was wir hier machen, ist einzigartig in ganz Deutschland“, sagt Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD). Sichtlich erleichtert verkündete er, dass die Einstein-Stiftung zur Förderung der Spitzenforschung in Berlin in wenigen Tagen offiziell ihre Arbeit aufnimmt.

Vor zwei Jahren hatte Zöllner sein Lieblingsprojekt vorgestellt, mit dem er Forschung an Unis und außeruniversitären Instituten enger verbinden und international sichtbarer machen will. Nach zähem Ringen mit den Hochschulen mutierte die „Superuni“ zur Einstein-Stiftung. Dann schien sich lange nichts mehr zu tun – trotz eines bereits im Landeshaushalt eingeplanten Etats von 150 Millionen Euro von 2008 bis 2011.

Am Wochenende tagt nun erstmals der neu berufene Stiftungsrat, dem sechs Persönlichkeiten aus dem Wissenschaftsmanagement und der Forschung angehören, darunter Gerhard Caspar, ehemaliger Präsident der Stanford-Universität (Kalifornien), und Barbara Stollberg-Rilinger, Historikerin an der Uni Münster und Leibniz-Preisträgerin 2005. Und am Sonntagabend beginnt die große Auftakt-Konferenz „Falling Walls“ der Einstein-Stiftung, bei der im Veranstaltungszentrum Radialsystem knapp 30 international renommierte Wissenschaftler über künftige Durchbrüche in ihren Fachgebieten sprechen werden. Erste Rednerin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Es wäre ihm lieber gewesen, wenn die Stiftung ein Jahr früher arbeitsfähig gewesen wäre, sagte Zöllner. Doch zunächst habe er die Idee der Einstein-Stiftung mit allen Beteiligten „in Ruhe ausdiskutieren müssen“. Ein Hinweis auf den monatelangen Widerstand der Universitäten, die fürchteten, exzellente Wissenschaft solle aus den Hochschulen an eine Superuni abgezogen werden. Die späte Berufung des Stiftungsrates, der über Förderschwerpunkte entscheiden soll, habe allein terminliche Gründe gehabt, sagt Zöllner. Jetzt fehle nur noch die 13-köpfige wissenschaftliche Kommission, die die Qualität der Anträge prüfen soll. Sie werde in diesen Wochen zusammengestellt und Anfang 2010 ihre Arbeit aufnehmen.

Was ist geplant? Geschaffen werden sollen neue wissenschaftliche Schwerpunkte wie beispielsweise ein Zentrum für transregionale Studien. Unterstützt werden neue Vorhaben, mit denen Berlins Universitäten im nächsten Elite-Wettbewerb gewinnen wollen. Finanzieren soll die Einstein-Stiftung auch internationale Gastprofessuren und ein Austauschprogramm mit Partneruniversitäten. Studierende könnten von Master-Programmen profitieren, die die Stiftung bezuschussen will.

Um das Geld für die Einstein-Stiftung ist unterdessen ein handfester politischer Streit entstanden. Der Senator schiebt einen hohen Millionenbetrag vor sich her, der im Haushalt festgeschrieben ist, wegen des zähen Starts aber nicht ausgegeben wurde. In diesem Jahr könnten 30 Millionen Euro übrig bleiben: Von den 57 Millionen Euro, die sich nach Senatsangaben 2009 angesammelt haben, sind erst 27,4 Millionen Euro verplant. Das meiste davon leitet Zöllner in bereits bestehende Vorhaben der Unis im Elitewettbewerb, zu deren Ko-Finanzierung Berlin verpflichtet ist.

Den Rest darf der Senator eigentlich ins Jahr 2010 übertragen. Doch der Fraktionschef der Linken, Udo Wolf, hat angekündigt, Überschüsse lieber für den Ausbau der Kitas verwenden zu wollen. Die SPD-Fraktion lehnt dies ab. „Kitaprobleme werden wir nicht zulasten der Spitzenforschung lösen“, sagte Zöllner gestern. Aus Koalitionskreisen ist zu hören, Zöllner habe mit Rücktritt gedroht, falls ihm Einstein-Geld gestrichen wird.

Die Opposition kritisierte Zöllner gestern im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses wegen der intransparenten Finanzsituation der Einstein-Stiftung. „Es bleibt völlig unklar, wofür Sie das Geld eigentlich ausgeben“, warf Anja Schillhaneck (Grüne) dem Senator vor. „Die Stiftung konsumiert Mittel, die anderswo gebraucht werden“, sagte Nicolas Zimmer (CDU). Mirco Dragowski (FDP), sagte, von den großen Zustiftungen privater Spender, die Zöllner angekündigt habe, sei bisher keine Rede. Von einer starken Einstein-Stiftung sei nichts zu sehen.

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