Berlin : Wissenschaftlich abgesicherter Negativbautyp des "sick building" (Glosse)

Andreas Conrad

Berlin ist ein verdammt heißes Pflaster, nur Hartgesottene können hier überleben. Das haben wir doch den Bonnern immer gesagt. Der Ton? Rau. Das Wetter? Na ja. Frankreich für Wochenendfluchten in zu weiter Ferne, der wilde Osten dagegen so nah. Nur über ein Problem, das geben wir zu, haben wir uns in diesem Zusammenhang nie Gedanken gemacht. Seine Berliner Lösung schien uns allzu selbstverständlich, ja sogar zutiefst human, ganz im Gegensatz zu den Verhältnissen in Manhattan und anderen Ausformungen des modernen urbanen Molochs.

Ja, wieder und wieder wurde in dieser Stadt der Wert der Berliner Traufhöhe in den Himmel gehoben. Eingeweihte wissen: Vier bis fünf Geschosse, mehr ging nicht in der Westhälfte dieser Stadt, vor noch gar nicht so langer Zeit. Das müsste auch den Bonnern frommen, dachten wir uns, und so hielt sich beispielsweise die Höhe der Parlamentarierwohnschlange am Moabiter Werder exakt an diese Höhenmarke. Und was geschieht, glaubt man überraschenden, nun gut, vielleicht etwas zugespitzten Berichten? Berlin mache die Bonner krank, die Häuser hier seien zu hoch.

Schon wurde der wissenschaftlich abgesicherte Negativbautyp des "sick building", des krank machenden Hauses, in den Raum geworfen, was nun nicht auf Mietskasernen aus Zille-Zeiten zielt, sondern gegen sauber gemörtelte Neubauten. Was soll man dazu sagen! Nur eines: Es reicht! Hier ist nicht die Südsee, hier ist nicht der Böhmerwald. Hier ist Berlin. Und welchem Zuzügler das nicht passt, der soll halt sein Haus im Dorf lassen. Basta.

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