Berlin : "Wissenschaftssommer": Gentechnik-Gegner planen Proteste

Barbara Junge

Kultur- und Wissenschaftssenatorin Adrienne Goehler (parteilos) hofft auf den Dialog - auch mit den radikaleren Gegnern der Genomforschung. Nachdem diese für den "Wissenschaftssommer", der am 12. September am Potsdamer Platz mit einer Prominenten-Gala eröffnet werden soll, Proteste angekündigt haben, hat Goehler jetzt eine Einladung ausgesprochen. Möglichst noch in dieser Woche will sie sich mit den Kritikern treffen.

"Wir betrachten die Demonstrationsaufrufer nicht als Feinde, sondern als kritische Begleiter der Veranstaltung und des Dialogs", erläutert Goehlers Wissenschaftskoordinator Bernd Köppl die Einladung. Die Kritik, die geäußert werde, sei berechtigt. Sie müsse Platz haben in der Debatte. Köppl kann sich vorstellen, dass die Gentechnikgegner ein eigenes kleines Forum im Rahmen des Wissenschaftssommers aufbauen.

Zugleich will die Senatorin mit dem Gespräch erreichen, dass der Wissenschaftssommer, der von der Bundesregierung, dem Land und den führenden Wissenschaftsinstitutionen ausgerichtet wird, nicht in einem falschen Licht erscheine. Hierbei handele es sich keinesfalls um eine "Propagandaveranstaltung" für die Gentechnik, wie behauptet. Vielmehr solle die Gentechnik kritisch diskutiert werden.

Gerade in Berlin bewege sich die gentechnische Forschung ohnehin in engen Grenzen, betont man in der Wissenschaftverwaltung und verweist auf eine jüngste Erhebung. Im Augenblick betreibe kein wissenschaftliches Institut in Berlin Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen. Anträge auf entsprechende Forschungsprojekte legen ebenfalls nicht vor. Nur ein Forschungsprojekt werde an tierischen embryonalen Stammzellen durchgeführt, nämlich an denen von Mäusen am Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie in Buch. Dazu kommt ein weiteres Forschungsprojekt an adulten Stammzellen an der Charité.

Für Wissenschaftssenatorin Goehler ist die schwierige Debatte um die Genomforschung auch nicht mit dem "Wissenschaftssommer" abgehandelt. Für den September werden bereits Anschlussveranstaltungen geplant. Bereits am kommenden Sonntag lädt auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) die Berliner zur Diskussion ein. Im Rahmen des Tags der Offenen Tür der Bundesministerien können Besucher in einem fahrbaren "Genlabor", dem "Science-Live-Mobil" selbst mit gentechnischen Verfahren Experimente durchführen und etwa das Erbmaterial einer Tomate extrahieren. Am Nachmittag will die Ministerin dann selbst mit den Besuchern "über Chancen und Risiken" der Technologie diskutieren.

Ob es einen ersten kontroversen Dialog mit der Wissenschaftssenatorin geben wird, entscheiden nun die Bündnisse der Gentechnik-Gegner. Als Anmelder der Demonstration vom 12. September hat der PDS-Abgeordnete Steffen Zillich die Einladung Goehlers an das nicht gerade homogene Spektrum der Gentechnikkritiker weitergetragen. Ein Sprecher der Kritiker signalisierte bereits grundsätzliche Bereitschaft zu solchen Gesprächen. Über die konkrete Einladung jedoch müsse noch gesprochen werden. Ob indes der militantere Teil der Kritiker seine angekündigten Störaktionen deshalb abblasen wird, ist ungewiss. Die Aufrufe zu den Störungen sind anonym. Einer verweist unter dem Motto "Gentechnik interessiert uns brennend" auf einen Anschlag auf ein Fahrzeug. Der Staatsschutz hat daher das Sicherheitskonzept für den 12. September übernommen.

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