Berlin : With a little help from Yoko Ono

Der „John Lennon Educatoinal Tour Bus“ ist in der Stadt: Im erstklassig ausgestatteten mobilen Tonstudio nahmen neun Schüler ihren ersten Song auf – heute präsentieren sie ihn Lennons Witwe.

Karoline Kuhla
Beat im Bus. Schüler haben am Montag ihren Song im John-Lennon-Bus vor der gleichnamigen Schule aufgenommen.
Beat im Bus. Schüler haben am Montag ihren Song im John-Lennon-Bus vor der gleichnamigen Schule aufgenommen.Foto: Björn Kietzmann

Die Sonne scheint, Herbstblätter wirbeln durch die Straße in Prenzlauer Berg und aus dem knallblauen Bus mitten in der Straße dringt laute Live-Musik. John Lennon ist in der Stadt.

Natürlich nicht persönlich, aber sein Bus ist gekommen und mit ihm die Musik. Ein paar Stufen hinauf zum Eingang und der Blick fällt auf die Band von Oskar an den Kongas bis zu Laura am Mikro. Neun Schüler des John-Lennon-Gymnasiums bereiten sich darauf vor, Yoko Ono, Lennons Witwe, ihren ersten Song vorzuspielen.

Seit dem 7. Oktober ist der „John Lennon Educational Tour Bus“ in Berlin. Das Konzept ist in den USA schon seit 16 Jahren erfolgreich: Ein großer Tourbus – ausgestattet mit Ton- und Videostudio, Aufnahmekabinen und einer Terrasse für Live-Auftritte – fährt durch die Vereinigten Staaten. Der Bus hält an Universitäten und Schulen, um mit den jeweiligen Kindern und Jugendlichen ihre Songs aufzunehmen.

Vor wenigen Monaten dann, am 8. Mai, hat Yoko Ono das europäische Pendant eingeweiht. Aus Lennons Geburtstadt Liverpool schickte sie einen zweiten Bus auf die Reise, für die Jugend Europas. In Brüssel ist er schon gewesen, in Hamburg, Amsterdam und Salzburg – und seit ein paar Tagen steht er in Berlin.

Und auch Yoko Ono, die mit dem Bus Lennons Lebenswerk weiterführen will, wird am heutigen Dienstag zu Gast sein. Ono bleibt mehrere Tage in der Stadt, am Donnerstag wird ihr am Pariser Platz der Theodor-Wanner-Preis 2013 für den Dialog der Kulturen verliehen.

Vorher allerdings wird sie Oskar, Bruno, Ilja, Ruben, Jonathan, Max, Jula Marieke, Gesine und Laura zu hören und zu sehen kriegen.

Während die Jungs an Kongas, Schlagzeug, Piano, Gitarre und Bass die Band bilden, stehen die drei Mädels am Mikro: „He’s just a poor guy, trying to follow his feet“, singen sie. „Poor guy“ heißt ihr Song. Er ist erst 24 Stunden alt, zuerst kam die Melodie, dann der Text: Fröhlich sollte die Musik sein, aber gleichzeitig geht es um einen jungen Mann, der nicht so richtig ins Leben findet. Am Sonntag wurde der Song eingespielt: „Wie oft man sich versingt oder verspielt! Gefühlt hat das eine Ewigkeit gedauert“, erzählt Jonathan. Vormittags haben die das Video gedreht.

Der Clip zeigt einen jungen Mann, der über den Schulhof läuft, während alle anderen sich rückwärts bewegen, Herbstblätter von unten nach oben fallen. Hätten sie gedacht, dass sie in so kurzer Zeit professionell einen Song schreiben und aufnehmen können? „Wir waren erst beeindruckt davon, was andere Jugendliche in Belgien oder so aufgenommen haben. Aber jetzt sind wir auch stolz auf das, was wir geschaffen haben“, sagt Jula Marieke. Freuen sie sich auf Yoko Ono? „Sicher, wir haben Glück, wir dürfen morgen Yoko Ono treffen“, sagt Jonathan, „aber unsere Mitschüler halt nicht. Die haben Unterricht.“

Die Berliner Schüler seien sofort ganz eingestiegen, erzählt Hans Tanner, hätten sich neugierig alle Programme erklären lassen. Ursprünglich kommt Tanner aus Kalifornien, seit Mai tourt er mit dem Bus durch Europa und betreut die jugendlichen Musiker. „Es ist egal, mit welchen Fähigkeiten man hierher kommt. Wir zeigen auch die wichtigsten Akkorde und überlegen dann zusammen mit den Kids: Welche Stimmung wollt ihr verbreiten, was sollen die Menschen fühlen, wenn sie euren Song hören?“

Was aber verbinden die Schüler mit „imagine peace“, das überall auf dem Bus prangt? „Der Bus fährt ja durch ganz Europa und bringt die Musik überall hin. Das verbindet schon“, überlegt Laura. Auch die neun Schüler hat die Musik verbunden: Morgen stellen sie gemeinsam das Lied und das dazugehörige Video vor. „Und vielleicht“, sagt Jonathan, „spielen wir es dann auch mal auf einem Konzert zu Weihnachten live.“

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