Berlin : WM 2006: Anpfiff zum Sturm auf die Hotelbetten

Annette Kögel

Nach dem Beschluss, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auch in Berlin auszutragen, haben noch am Donnerstag zahlreiche fußballbegeisterte Touristen Hotelzimmer in der Stadt gebucht. Große Häuser haben zudem bereits Zimmer im Vorfeld der Bewerbung für den Deutschen Fußball Bund (DFB) geblockt. Bei der Berlin Tourismus Marketing hieß es, die WM-Vergabe sei ein "unschätzbarer Gewinn" für die Stadt. Berlin könne sich jetzt weltweit nicht nur als Kultur-, sondern auch als Sportmetropole profilieren. Der Landessportbund sprach sich dafür aus, nicht nur das Finale, sondern auch andere Begegnungen im Olympiastadion auszutragen.

"Wir hoffen, dass das Votum für Deutschland auch der Sanierung des Olympiastadions einen Schub geben wird", sagte Natascha Kompatzki, Sprecherin der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). Die Stadt könne gleich auf zwei Weisen von der Fifa-Entscheidung profitieren: Erstens stehe Berlin schon jetzt, aber erst recht 2006 im Interesse der weltweiten Medienöffentlichkeit. Zum zweiten werden Hunderttausende Besucher auch aus dem Ausland in die Stadt reisen, damit werde auch der Städtetourismus internationaler. Zurzeit stammen noch rund 75 Prozent aller Berlin-Besucher aus Deutschland. "Aus der Entscheidung kann Berlin einen Imagegewinn ziehen, wenn sich die Stadt als ein Austragungsort für ein friedliches Miteinander präsentiert", sagte Karsten Schulte von der Gesellschaft für Hauptstadtmarketing, Partner für Berlin. Künftig werde man Berlin auch auf den internationalen Messen verstärkt als "sportliche Stadt mit Freizeitmöglichkeiten" darstellen. Der Beschluss aus Zürich sprach sich gestern herum wie ein Lauffeuer - die ersten Fußballbegeisterten riefen kurz darauf in hiesigen Hotels an, um sich ein Zimmer zu sichern. "Bei uns steht das Telefon nicht mehr still", sagte Ulrike Heesch, Pressesprecherin vom Adlon, "wahrscheinlich läuft es wie Silvester 2000 auf eine Warteliste hinaus." Im Hotel Steigenberger meldeten sich vor allem Firmenkunden. Unterdessen hatten viele große Hotels bereits vor der Bewerbung für den Deutschen Fußball Bund (DFB) Zimmer geblockt - im Steigenberger werden alle 397 Zimmer für Fußball-Gäste freigehalten, die Häuser der Sorat-Gruppe verfahren ähnlich.

Nach Auskunft von BTM-Expertin Natascha Kompatzki gibt es jetzt enge Absprachen mit den Hotels für die in sechs Jahren stattfindenden Spiele. "In Berlin sollen Fehler wie in Hannover verhindert werden." Das bedeutet: Keine überteuerten Hotelpreise, die das Image der Stadt trüben. Die Hoteliers diskutierten nun über die Margen und wirken dagegen, dass Reiseanbieter günstig Übernachtungen auf- und dann zu horrenden Preisen verkaufen. Tickets für Spiele sind noch nicht erhältlich.

Naturgemäß herrschte am Donnerstag auch beim Landessportbund (LSB) Berlin-Brandenburg Feierstimmung. "Die Sportstadt Berlin profitiert von solchen attraktiven Großveranstaltungen und sollte alles daran setzen, ein guter Gastgeber zu sein", sagte der neue LSB-Präsident Peter Hanisch. Der LSB werde den Deutschen Fußball Bund darum bitten, dass Berlin so viele Spiele wie möglich bekommt. Berlin - zwar nicht Olympiastadt 2000, dafür aber WM-Metropole 2006: Wie sollte sich die Hauptstadt als Austragungsort international verkaufen? Diese Frage stellten wir gestern professionellen Werbefachleuten - und baten um eine spontane Antwort. Jan Flaskamp, einer der Prokuristen der gleichnamigen Agentur, meinte, Berlin müsse bei allen Konzepten die Olympischen Spiele von 1936 im Hinterkopf haben und "nicht mit Fähnchen schwenkenden Kindern" auftreten. Stattdessen solle sich die Stadt als dynamische, multikulturelle, offene Metropole zeigen. Man könne den Karneval der Kulturen und Breitensport-Angebote integrieren. "Vielleicht erleben wir dann ja auch besseren Fußball." Tourismus-PR-Fachmann Frank Grafenstein schlug vor, mit der internationalen Bevölkerung Berlins ("WM der Nationalitäten") zu werben. Die soziale Realität müsse aber dem Bild entsprechen, sagte Flaskamp: "Es dürfen auf keinen Fall Kahlköpfe aus Brandenburg einmarschieren." Unterdessen teilten Parteien, Senatsverwaltungen und Vereine die Freude über den WM-Beschluss - obgleich sich der Termin bislang mit dem der Love Parade überschneidet. Nur die PDS faxte ein Schreiben mit dem Titel "Schön für Deutschland, schade für Südafrika".

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